{"id":2725,"date":"2017-06-03T14:55:26","date_gmt":"2017-06-03T14:55:26","guid":{"rendered":"https:\/\/neos-music.com\/?post_type=product&#038;p=2725"},"modified":"2023-05-22T22:41:56","modified_gmt":"2023-05-22T22:41:56","slug":"wolfgang-rihm-sphaeren","status":"publish","type":"product","link":"https:\/\/neos-music.com\/en_us\/product\/wolfgang-rihm-sphaeren\/","title":{"rendered":"Wolfgang Rihm: Sph\u00e4ren"},"content":{"rendered":"<p>Infotext:<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"100%\" rules=\"none\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"bigcontent2\">\n<div id=\"infotext\">\n<p><b>SPUREN ZU WOLFGANG RIHM<\/b><\/p>\n<p>Der geb\u00fcrtige Karlsruher Wolfgang Rihm besch\u00e4ftigte sich fr\u00fch mit Malerei, Literatur und Musik. Bereits mit neun Jahren begann er zu komponieren und studierte schon als Gymnasiast in seiner Heimatstadt Komposition bei Eugen Werner Velte, sp\u00e4ter bei Wolfgang Fortner. 1970 war er erstmals bei den Darmst\u00e4dter Ferienkursen. Weitere Studien folgten bei Karlheinz Stockhausen in K\u00f6ln (Komposition) sowie bei Klaus Huber (Komposition) und Hans Heinrich Eggebrecht (Musikwissenschaft) in Freiburg. Der Durchbruch erfolgte mit dem Orchesterst\u00fcck\u00a0<i>Morphonie \u2013 Sektor IV<\/i>\u00a0bei den Donaueschinger Musiktagen 1974. Rihm erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u.\u2009a.: Rom-Preis der Villa Massimo (1979), Beethovenpreis der Stadt Bonn (1981), Ernst von Siemens Musikpreis (2003), Bundesverdienstkreuz (1989), Gro\u00dfes Bundesverdienstkreuz (2011), Gro\u00dfes Bundesverdienstkreuz mit Stern (2014), Preis der Europ\u00e4ischen Kirchenmusik (2017). Rihms Lehrt\u00e4tigkeit begann 1973, seit 1985 ist er Professor f\u00fcr Komposition an der Karlsruher Musikhochschule. Er lebt in Karlsruhe und Berlin.<\/p>\n<p>Wolfgang Rihm ist zweifellos einer der erfolgreichsten Komponisten unserer Zeit und blickt mittlerweile auf ein gewaltiges \u0152uvre zur\u00fcck, welches sich kaum in eine bestimmte Stilistik einordnen l\u00e4sst. Fr\u00fche Pr\u00e4gung durch die Vertrautheit mit den \u00bbSchwesterk\u00fcnsten\u00ab, umfassende humanistische Bildung, zun\u00e4chst musikalische Einfl\u00fcsse seiner Lehrer und der Sch\u00f6nberg-Schule, die freilich immer mit starker Bindung an die klassisch-romantische Tradition und einer sehr pers\u00f6nlichen Expressivit\u00e4t korrespondieren, ergeben eine h\u00f6chst eigenwillige und mitunter zur gerade vorherrschenden Ideologie der Neuen Musik erfrischend querst\u00e4ndige musikalische Sprache. Opern wie\u00a0<i>Jakob Lenz<\/i>,\u00a0<i>Die Hamletmaschine<\/i>\u00a0oder\u00a0<i>Oedipus<\/i>, Lieder und Chorwerke zeigen die starke (mit Orlando di Lasso wesensverwandte) Textbezogenheit Rihms, der allerdings ebenso mit seinen weit aufgef\u00e4cherten, farbigen, gestenreichen Orchesterst\u00fccken und der vielf\u00e4ltigen Kammer- und Ensemblemusik h\u00f6chst eigenes Profil zeigt.<\/p>\n<p>Seinem kompositorischen Credo von 1974 ist Rihm bis heute treu geblieben: \u00bbMeine Arbeitsweise ist oft vegetativ. Das gibt mir die M\u00f6glichkeit, meinem Material an Stellen zu folgen, wo es von selbst w\u00e4chst, und manchmal mehr zu finden, als ich suche. Das Komponieren muss offen sein, nicht die Form. Es ist mir wichtig, musikalische Werke zu komponieren. Ein Werk, eine Komposition, ist f\u00fcr mich in erster Linie eine Summe von Ausdruckswerten, deren Zusammenf\u00fcgung aufgrund eines f\u00fcr sich gesehen sekund\u00e4ren formalen Entscheids geschieht. Die Form ist selbst ein Ausdruckswert\u00ab.<\/p>\n<p>Wolfgang Rihm sagt in seinen (ihm offenbar m\u00fchsam abgerungenen) Programmnotizen f\u00fcr das ensemble recherche im Oktober 2003: \u00bbWir leben in wortgl\u00e4ubiger Zeit. Viele halten Musik f\u00fcr eine andere Form von Text. Vielleicht ist sie das auch, aber mit Sicherheit ist ihr Text keiner aus W\u00f6rtern. Trotzdem stellen wir Texte vor und neben die Musik: W\u00f6rter, S\u00e4tze, Meinungen. Ein Spiel der Bedeutungen, ohne Belang f\u00fcr das, was wirklich erklingt. Ein Komponist, der \u00fcber seine Musik mit Worten etwas \u203asagt\u2039, ist bestenfalls ein charmanter Idiot, im schlimmsten Fall ist er ein Hochstapler. Auch Verweigerung von Text ist ein Text\u00ab.<\/p>\n<p>Noch mehr stellt sich dieses hier angesprochene Problem demjenigen, der analysierend oder emotional eindringend \u00fcber die Musik der Anderen schreibt. Denken wir an Franz Grillparzer (\u00bbBeschriebene Musik ist wie eine Speisenkarte ohne Essen\u00ab) oder an Alban Berg, der nach seiner eingehenden\u00a0<i>Wozzeck<\/i>-Selbstanalyse das Publikum bat, dies alles zu vergessen und einfach in eine Oper zu gehen. Und versuchen wir trotzdem, zu den Werken Wolfgang Rihms Spuren zu legen. M\u00f6glichst mit seinen eigenen Worten.<\/p>\n<p><b>Sph\u00e4re um Sph\u00e4re<\/b>\u00a0f\u00fcr Ensemble (1992\u2009\/\u20092003)<\/p>\n<p>Laut Wolfgang Rihm entstehen \u00bbText-Familien durch die Jahre. Manche St\u00fccke tragen genetisches Material in sich, das vor Jahrzehnten in die Welt gesetzt wurde\u00ab. Die ist auch bei\u00a0<i>Sph\u00e4re um Sph\u00e4re<\/i>\u00a0ganz deutlich \u00bboder besser: auf klare Weise undeutlich geworden, denn die Transformation und Erosion der Texte ist ein Element ihres Ausdruckswandels, unverzichtbar f\u00fcr ihre Gestalt, die in unabl\u00e4ssigem Wandel sich zeigt\u00ab. So begann in diesem Fall die st\u00e4ndige Verwandlung 1990 mit dem St\u00fcck\u00a0<i>\u2026et nunc<\/i>, in dessen zweite Version ein Solo-Klavierpart kam, der dann \u00bbfreigelassen\u00ab wurde (<i>Nachstudie<\/i>), ehe er zu\u00a0<i>Sph\u00e4re nach Studie<\/i>\u00a0und schlie\u00dflich \u00bbwie bei mittelalterlichen Parodiemessen\u00ab 2003 integraler Bestandteil von\u00a0<i>Sph\u00e4re um Sph\u00e4re<\/i>\u00a0wurde \u2013 \u00bbwo sich erneut Klangsph\u00e4ren um Klangsph\u00e4ren um das \u203aalte Material\u2039 bilden. Ich dr\u00fccke das bewusst so aus: \u203asie bilden sich\u2039. Denn meine Aufgabe schien mir immer mehr die eines Helfers zu sein, der erm\u00f6glicht, dass Wachstumspotentiale ihrer Eigengesetzlichkeit entsprechend sich entwickeln konnten.<\/p>\n<p><i>Sph\u00e4re um Sph\u00e4re<\/i>\u00a0steht also am bislang letzten Punkt, wohin das \u203aalte\u2039 genetische Material vom Anfang der 90er-Jahre sich entwickelte, nachdem es den ersten Weg eingeschlagen hatte.\u00ab (Ein zweiter Weg f\u00fchrte zu einer gro\u00dfen Folge von Orchesterwerken.) Auch der Zusammenhang mit der Werkfolge\u00a0<i>\u00dcber die Linie<\/i>\u00a0ist Rihm wichtig, \u00bbdie dem Ph\u00e4nomen des melodischen Zuges, des melischen Flie\u00dfens, verpflichtet\u00ab ist. Und: \u00bbAm reinsten und vielleicht am radikalsten ist das Unerreichbare, das in der Mitte dieser Versuche sich st\u00e4ndig entzieht\u00ab sowie \u00bbdie entscheidende Frage: wie und wohin flie\u00dft die Energie weiter. Nach und nach gelang es vielleicht, aus einer Folge von vertikalen (\u203aKeilschrift\u2039-) Setzungen so etwas wie die Fl\u00e4che des Singens zu befreien. Kompositionen wie\u00a0<i>Sph\u00e4re um Sph\u00e4re<\/i>\u00a0sind auch von dieser Idee her zu verstehen. Auch.\u00ab<\/p>\n<p><b>Vier Male<\/b>\u00a0St\u00fccke f\u00fcr Klarinette in A (2000)<\/p>\n<p>Vier Male? Einfach viermal Klarinette allein und doch vier Male im Sinne von Denkmal, Grabmal, was auch immer. Mit diesen St\u00fccken f\u00fchrt Rihm die A-Klarinette best\u00e4ndig an die Grenzen ihres Klangraums, mittels extremer Gesten \u2013 hohe Lagen, scharf konturierte Dynamik, changierend zwischen dreifachem\u00a0<i>piano<\/i>\u00a0und dreifachem\u00a0<i>forte<\/i>. Die Klarinettensoli lassen sich als \u00bbLinienverlauf\u00ab h\u00f6ren, als \u00bbStrich eines Pinsels\u00ab. Die\u00a0<i>Vier Male<\/i>\u00a0sind \u00bbweniger Entfaltung eines Keims als vielmehr die Spur einer Suchbewegung\u00ab (Ulrich Mosch). Die vier S\u00e4tze sind unterschiedlich: Der erste Satz ist mit \u00bbFrei, nicht schnell\u00ab, der zweite mit \u00bbSehr langsam, wie aus weiter Ferne\u201c, der dritte mit \u00bbIn dr\u00e4ngender Unruh\u201c, der vierte mit \u00bbLangsam\u00ab bezeichnet \u2013 Angaben, die an Robert Schumanns oder Gustav Mahlers Satzbezeichnungen erinnern, wohl nicht ganz von ungef\u00e4hr.<\/p>\n<p><b>S\u00e9raphin\u2013Sph\u00e4re<\/b>\u00a0f\u00fcr Ensemble (1993\u20131996\u2009\/\u20092006)<\/p>\n<p>Das j\u00fcngste, erst 2006 uraufgef\u00fchrte St\u00fcck von Wolfgang Rihm ist ein weiteres Beispiel f\u00fcr die st\u00e4ndige Anverwandlung eigener Themen, f\u00fcr die sich immer wieder erneuernden \u00bbSph\u00e4renharmonien\u00ab (Kepler). Denn\u00a0<i>S\u00e9raphin\u2013Sph\u00e4re<\/i>\u00a0beruht auf einem B\u00fchnenwerk, welches 1993 in seinem ersten und 1996 in seinem \u00bbzweiten Zustand\u00ab uraufgef\u00fchrt wurde:\u00a0<i>S\u00e9raphin. Versuch eines Theaters<\/i>\u00a0f\u00fcr Stimmen (ohne Texte) und Instrumente nach dem gleichnamigen Manifest des franz\u00f6sischen Theatervision\u00e4rs Antonin Artaud (1896\u20131948), des oft als \u00bbVater der Performance\u00ab apostrophierten Begr\u00fcnders des \u00bbTheaters der Grausamkeit\u00ab \u2013 Theater nicht als Handlung, sondern Theater als Handlung an sich. Auch die Inspirationsquelle Artauds, Charles Baudelaires (1821\u20131867) \u00bbS\u00e9raphin\u00ab-Essay \u00fcber ein Theater im \u00bbk\u00fcnstlichen Paradies\u00ab eines Haschischrausches, stand Pate zu diesem Musiktheater weitab von g\u00e4ngiger Oper. In\u00a0<i>S\u00e9raphin\u2013Sph\u00e4re<\/i>\u00a0verbinden sich die weiter entwickelten Welten von \u00bbS\u00e9raphin\u00ab mit denen der \u00bbSph\u00e4ren\u00ab.<\/p>\n<p>Lassen wir Wolfgang Rihm das Schlusswort: \u00bbWenn ich nun die vordergr\u00fcndige Fl\u00e4che dieses Textes \u00fcber ein Programm wieder verlasse, um in den wesentlichen Bereich der kompositorischen Arbeit zur\u00fcckzukehren [\u2026], tue ich dies nun als Idiot oder als Hochstapler? Seien wir gn\u00e4dig und gestehen wir mir ein<i>\u00a0mixtum compositum<\/i>\u00a0zu: Ich tue es als Komponist\u00ab.<\/p>\n<p>Gottfried Franz Kasparek<\/p>\n<\/div>\n<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Programm:<\/p>\n<p>[01]\u00a0<b>Sph\u00e4re um Sph\u00e4re<\/b>\u00a0f\u00fcr Ensemble (1992\/2003)\u00a0<b>24:48<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Vier Male<\/b>\u00a0St\u00fccke f\u00fcr Klarinette in A\u00a0(2000)\u00a0<b>17:09<br \/>\n<\/b>[02]\u00a0<b>I. Frei, nicht sehr schnell<\/b>\u00a004:52<br \/>\n[03]\u00a0<b>II.\u00a0Sehr langsam, wie aus weiter Ferne\u00a0<\/b>04:59<br \/>\n[04]\u00a0<b>III. In dr\u00e4ngender Unruhe<\/b>\u00a001:17<br \/>\n[05]\u00a0<b>IV. Langsam<\/b>\u00a006:01<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[06]<b>\u00a0S\u00e9raphin-Sph\u00e4re\u00a0<\/b>f\u00fcr Ensemble\u00a0(1993-1996\/2006)<b>\u00a022:18<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gesamtspielzeit:\u00a064:17<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a class=\"arcoma_glossarylink\" href=\"https:\/\/neos-music.com\/output.php?content=Kuenstler\/OENM.php&amp;treplace=english%2Cgerman\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">\u0153nm . \u00f6sterreichisches ensemble f\u00fcr neue musik<\/a><br \/>\n<a class=\"arcoma_glossarylink\" href=\"https:\/\/neos-music.com\/output.php?content=Kuenstler\/Rupert_Huber.php&amp;treplace=english%2Cgerman\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">Rupert Huber<\/a>, Dirigent<br \/>\nAndreas Schablas, Klarinette<\/p>\n<p>Pressestimmen:<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/klassikcom.gif?ssl=1\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>&#8222;Das \u00f6sterreichische ensemble f\u00fcr neue musik unter Rupert Huber legt eine \u00fcberzeugend konzipierte Produktion mit Kompositionen von Wolfgang Rihm vor.&#8220;<br \/>\nProf. Stefan Drees schrieb am 25.11.17 eine begeisterte Kritik zur CD Sph\u00e4ren;\u00a0<a class=\"arcoma_editor_link\" href=\"https:\/\/magazin.klassik.com\/reviews\/reviews.cfm?TASK=REVIEW&amp;RECID=32922&amp;REID=17437\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">den Artikel finden Sie hier.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Infotext: SPUREN ZU WOLFGANG RIHM Der geb\u00fcrtige Karlsruher Wolfgang Rihm besch\u00e4ftigte sich fr\u00fch mit Malerei, Literatur und Musik. 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