{"id":3083,"date":"2010-07-15T16:11:12","date_gmt":"2010-07-15T16:11:12","guid":{"rendered":"https:\/\/neos-music.com\/?post_type=product&#038;p=3083"},"modified":"2022-11-19T16:12:56","modified_gmt":"2022-11-19T16:12:56","slug":"elliott-carter-udo-zimmermann-musica-viva-vol-18","status":"publish","type":"product","link":"https:\/\/neos-music.com\/en_us\/product\/elliott-carter-udo-zimmermann-musica-viva-vol-18\/","title":{"rendered":"Elliott Carter, Udo Zimmermann: musica viva vol. 18"},"content":{"rendered":"<p>Infotext:<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"100%\" rules=\"none\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"bigcontent2\">\n<div id=\"infotext\">\n<p><b>Elliott Carter &#8211;\u00a0Cellokonzert<br \/>\nKontrastreiche Begegnung instrumentaler Protagonisten<\/b><\/p>\n<p>Der englische Dirigent Oliver Knussen sieht in Elliott Carter den \u00bbbedeutendsten musikalischen Dramatiker der Gegenwart auf dem Gebiet der Instrumentalkomposition\u00ab. F\u00fcr seine Partituren entwirft Elliott Carter regelrechte Szenarien, in denen die Instrumentalisten als individuelle Charaktere agieren. Auch in seinem Cellokonzert aus dem Jahr 2001 behandelt er den Solisten wie die einzelnen Orchestermusiker als selbst\u00e4ndige Protagonisten.<\/p>\n<p>Elliott Carters Kompositionen sind metrisch komplex und labyrinthisch verschachtelt, sie beeindrucken mit einer strukturellen Dichte und erstaunlichen Virtuosit\u00e4t, erkennbar sind Einfl\u00fcsse des Neoklassizismus und der Sch\u00f6nbergschen Zw\u00f6lftontechnik. Musikalische Prozesse geschehen oft gleichzeitig und f\u00fchren zu heftigen Kontrasten. Dabei folgt seine Musik bei aller Komplexit\u00e4t klaren kompositorischen Grundprinzipien: Einfache Pulsschl\u00e4ge ergeben durch ausgekl\u00fcgelte Schichtung ein komprimiertes rhythmisches Beziehungsgeflecht der sogenannten \u00bbmetric modulation\u00ab, die melodische Linienf\u00fchrung baut auf Intervallschemata auf, harmonische Verl\u00e4ufe erfolgen in scharf umgrenzten Einheiten.<\/p>\n<p>Der Solist er\u00f6ffnet das Cellokonzert mit einer Solokadenz. In ihr klingt bereits motivisches Material an, das im Satzverlauf wiederkehren wird. Obgleich das 20-min\u00fctige Konzert in kontinuierlichem Fluss durchl\u00e4uft, sind sieben Abschnitte erkennbar, die sich durch ihre jeweils charakteristische Satzweise deutlich voneinander abheben. Verbunden sind sie durch k\u00fcrzere Episoden, die motivisch auf das\u00a0<i>Allegro fantastico<\/i>\u00a0des Finales vorgreifen.<\/p>\n<p><i>Drammatico<\/i>, der erste Abschnitt, bringt gleich zu Beginn das gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Ma\u00df an Kontrast in der Satzweise. Mit peitschenden Schl\u00e4gen fallen alle Orchesterinstrumente gemeinsam in schroffem\u00a0<i>fortissimo<\/i>\u00a0in den Monolog des Cellos ein, der zun\u00e4chst spr\u00f6de und zerkl\u00fcftet beginnt und dann \u00fcbergeht in ein vers\u00f6hnlicheres, melodi\u00f6seres\u00a0<i>tranquillo<\/i>. Nach dieser harten rhythmischen Akzentuierung als Gruppe agiert das Orchester im nachfolgenden\u00a0<i>Allegro appassionato<\/i>-Teil nicht mehr als geb\u00fcndelte Tuttikraft, sondern in aufgef\u00e4cherter Gestalt.<\/p>\n<p>Das\u00a0<i>Giocoso<\/i>\u00a0des dritten Satzes besteht aus einem delikaten Duett zwischen Cello und Schlagzeug. So entfaltet sich \u00fcber 50 Takte hinweg ein Spiel sparsamster Besetzung und Gestik in aparter Klanggebung. An zentraler Stelle steht ein\u00a0<i>Lento<\/i>, in dem das Cello erstmals f\u00fcr einige Takte schweigt, um dann in tiefer Lage zu einer weitgespannten Linie anzusetzen.<\/p>\n<p>In diesem langsamen Satz mit seinem Cello-Melos und langen B\u00f6gen zeigt sich in der klanglich nuancierten, kammermusikalischen Begleitung abermals die hohe Orchestrationskunst Elliott Carters. Der nach kurzer \u00dcberleitung anschlie\u00dfende\u00a0<i>Maestoso<\/i>-Teil bringt einen Dialog des Soloinstruments mit den Blechbl\u00e4sern, die mit akzentuierten Akkorden ein effektvolles Gegengewicht schaffen.<\/p>\n<p>Mit ungew\u00f6hnlicher Klangsch\u00f6nheit besticht der vorletzte Satz,\u00a0<i>Tranquillo<\/i>. Das Cello tritt\u00a0<i>meditando<\/i>\u00a0und\u00a0<i>legatissimo<\/i>\u00a0und mit reichen Harmonien versehen in hoher Lage in Erscheinung, konterkariert von dem tiefen Spiel der Bassklarinette. Abermals darf sich hier Melos schwelgerisch verstr\u00f6men.<\/p>\n<p>Der Schlusssatz kehrt zum\u00a0<i>Tempo primo<\/i>\u00a0zur\u00fcck, zugleich scheint er eine Zusammenfassung des Werks zu bedeuten. In diesem Finale erhebt sich das Orchester mit einer dramatischen Tuttisteigerung zum eigentlichen Protagonisten, um dann das Cello abermals sich selbst zu \u00fcberlassen. Das Konzert verklingt, wie es begonnen hat: mit einem einsam agierenden Solisten.<\/p>\n<p align=\"right\">Susanne Schmerda<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Udo Zimmermann<br \/>\nLieder von einer Insel<\/b><\/p>\n<p>Fast lie\u00dfe sich von einem \u00bbAnti-Konzert\u00ab sprechen: Im Gegensatz zum gewohnten Solokonzert, in dem sich der Solist als individuell Gestaltender darstellt, um mit dem Orchester dramatisch dialogisieren zu k\u00f6nnen, verlegt der erfahrene Opernkomponist Udo Zimmermann diese szenische Komponente nach innen. Bei ihm \u00fcberwiegen die leisen T\u00f6ne, und den Einstieg bildet nicht nur die \u00bbnicht\u00f6ffentlichste\u00ab Gattung der Musik, sondern gar ein eher gefl\u00fcstertes als gesungenes Lied.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Texte unterschiedlicher L\u00e4nge und unterschiedlichen Charakters sind mottohaft vorangestellt und wollen mit der Musik in Zusammenhang gebracht sein (Ingeborg Bachmann:\u00a0<i>Lieder von einer Insel<\/i>; Heinrich Heine:\u00a0<i>Lyrisches Intermezzo<\/i>; Else Lasker-Sch\u00fcler:\u00a0<i>Vers\u00f6hnung<\/i>; Franz von Assisi:\u00a0<i>Indulceam ubi est culpa<\/i>; Friedrich H\u00f6lderlin:\u00a0<i>Hyperions Schicksalslied<\/i>).<\/p>\n<p>Anfangs kann man mitsingen, sp\u00e4ter lockert sich die Ton-Wort-Beziehung und fordert auf, nach anderen Assoziationspunkten, Einstiegen zu suchen. Das wird zunehmend schwerer; nach dem Wort f\u00fcr Wort nachvollziehbaren Schumann- Zitat geht es immer tiefer in die Musik hinab, man muss nach Ausdruckslagen, Befindlichkeiten, stimmungshaften Momenten Ausschau halten. Die Anfangsworte des Gedichts von Else Lasker-Sch\u00fcler stehen am Beginn des gro\u00dfen, kanonisch gef\u00fcgten Mittelteils nach der ersten Kadenz des Solisten. Wohin die Worte von Ingeborg Bachmann und Franz von Assisi geh\u00f6ren, k\u00f6nnen wir nur mutma\u00dfen \u2013 vielleicht nicht oder nicht nur an eine bestimmte Stelle? Das Zitat des heiligen Franziskus weist auf die 1992 entstandene Komposition\u00a0<i>Pax Questuosa<\/i>\u00a0hin.<\/p>\n<p>Mit Abschied, Trauer, Nacht, Unbehaustheit kreisen die Texte in benachbarten Themenbereichen; die Musik schafft einen Hintergrund, vor dem die Texte wie Kommentare stehen. Tief eingesenkte Vokalit\u00e4t pr\u00e4gt die Struktur des Cellokonzerts. Bei den untextiert \u00bbtexttragenden\u00ab Stimmen der Kanon-Passage handelt es sich um die am ehesten beziehbaren, nachh\u00f6rbaren Beispiele.<\/p>\n<p>Derselbe rhetorische Zuschnitt, der sich als wortgezeugt zu erkennen gibt, pr\u00e4gt die Musik insgesamt \u2013 fast scheint es, als sei der Komponist von einer nahezu systematischen Stufung des Wortbezugs ausgegangen. Insofern w\u00e4re es zu einfach, von polyphon ausgefalteten Liedern ohne Worte zu sprechen \u2013 schon, weil hier, anders als zumeist bei Mendelssohn, bestimmte Texte mitgedacht sind.<\/p>\n<p>Die Feststellung, diese Musik biete sich zug\u00e4nglich dar, scheint auf ihre Materialit\u00e4t zu zielen. Beispielsweise kommen ganze Passagen der \u00fcbereinander stehenden Kanons ohne Vorzeichen aus. Wo gibt es das schon in anspruchsvoller Musik der vergangenen 200 Jahre? Es ist bei dem mit allen Kompositionstechniken der letzten Jahrzehnte vertrauten Zimmermann nicht anders als beim tonalen sp\u00e4ten Sch\u00f6nberg \u2013 das, worauf er verzichtet, bleibt als Negativ-Folie gegenw\u00e4rtig, es hilft den engen Spielraum zu definieren und nachzuempfinden, dessen er sich versichert.<\/p>\n<p>ls wolle er aus dem selbstgesponnenen Kokon nicht heraus, verharrt er in der abgedunkelten, archaisierend intonierten a-Moll-Sonorit\u00e4t, verschreibt sich mit den Kanons einem dogmatisch vorregulierten Selbstlauf, formalisierten Wiederholungszw\u00e4ngen, damit aber auch einem festhaltenden In-sich-Kreisen. Sieht man von den jeweiligen Neueinstiegen in die kanonische F\u00fcgung ab, scheint die Musik diffus zu schwimmen, ziellos zu m\u00e4andern. Am ehesten findet das Ohr an dem\u00a0<i>Cantus firmus<\/i>\u00a0Halt; aber auch dessen Rhythmisierung wechselt. Gegen all dies \u00bbredet\u00ab der Solist mit Else Lasker-Sch\u00fclers t\u00f6nend beschwiegenen Worten an, verf\u00e4llt dann aber auch dem Kanon.<\/p>\n<p>Hier bedingt das Alte das Neue und das Neue das Alte \u2013 das eine war ohne das andere nicht zu haben.Vielleicht sollten wir auf der schwierigen Suche nach Ma\u00dfst\u00e4ben f\u00fcr neu komponierte Musik zun\u00e4chst einfach fragen, ob sie \u2013 wie diese \u2013 imstande sei, uns zum Zuh\u00f6ren zu zwingen.<\/p>\n<p align=\"right\">Peter G\u00fclke<\/p>\n<\/div>\n<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Programm:<\/p>\n<p><b><a class=\"arcoma_glossarylink\" href=\"https:\/\/neos-music.com\/output.php?content=Kuenstler\/Elliott_Carter.php&amp;treplace=english%2Cgerman\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">Elliott Carter<\/a><\/b>\u00a0(*1908)<br \/>\n[01]\u00a0<b>Cello Concerto<\/b>\u00a0(2001)\u00a0<b>21:30<\/b><\/p>\n<p><b><a class=\"arcoma_glossarylink\" href=\"https:\/\/neos-music.com\/output.php?content=Kuenstler\/Zimmermann_Udo.php&amp;treplace=english%2Cgerman\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">Udo Zimmermann<\/a><\/b>\u00a0[*1943]<br \/>\n<b>\u00bbLieder von einer Insel\u00ab<\/b>\u00a0[2009]\u00a0<b>17:39<\/b><br \/>\nConcerto per Violoncello ed Orchestra<\/p>\n<p>[02]\u00a0<b>Ich hab im Traum geweinet<\/b>\u00a03:04<br \/>\n[03]\u00a0<b>Reflexion (Come una Cadenza)<\/b>\u00a02:22<br \/>\n[04]\u00a0<b>Vers\u00f6hnung (quatuor canones et cantus firmus)<\/b>\u00a06:59<br \/>\n[05]\u00a0<b>Aufbruch<\/b>\u00a02:46<br \/>\n[06]\u00a0<b>Erinnerung<\/b>\u00a02:29<\/p>\n<p><b>total time: 39:19<\/b><\/p>\n<p><b><a class=\"arcoma_glossarylink\" href=\"https:\/\/neos-music.com\/output.php?content=Kuenstler\/Vogler_Jan.php&amp;treplace=english%2Cgerman\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">Jan Vogler<\/a><\/b>, violoncello<br \/>\n<b>Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks<br \/>\n<a class=\"arcoma_glossarylink\" href=\"https:\/\/neos-music.com\/output.php?content=Kuenstler\/Jaervi_Kristjan.php&amp;treplace=english%2Cgerman\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">Kristjan J\u00e4rvi<\/a><\/b>, conductor<\/p>\n<p>Pressestimmen:<\/p>\n<p align=\"left\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/klassikcom.gif?ssl=1\" \/><\/p>\n<p align=\"left\"><a class=\"arcoma_editor_link\" href=\"https:\/\/neos-music.com\/output.php?template=german-album-details.php&amp;content=Alben\/11014.php#\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">Komplette Rezension auf Klassik.com<\/a><\/p>\n<p align=\"left\"><b>Nur f\u00fcr wenige<\/b><\/p>\n<p>Der Cellist Jan Vogler erkundet mit den Cellokonzerten von Elliott Carter und Udo Zimmermann Pfade abseits des Mainstreams. Seine F\u00e4higkeit, weite kantable B\u00f6gen zu spannen, setzt er aber auch hier gewinnbringend ein.\u00a0[&#8230;] Die Komplexit\u00e4t der Musik geht nicht zu Lasten von Expression oder Kantabilit\u00e4t; nicht ohne Grund bezeichnete Oliver<br \/>\nKnussen Carter als den wichtigsten musikalischen Dramatiker der Instrumentalmusik.\u00a0[&#8230;] Zusammen stellen sich die Musiker zutiefst in den Dienst der Musik und spannen jeweils ganz eigene Klangwelten auf; auf ganz unterschiedliche Weisen ist diese Musik ganz jetztzeitig und doch nicht wirklich Musik des 21. Jahrhunderts. Aufnahmetechnische Brillanz und ein erhellendes Booklet unterst\u00fctzen eine von der Gesamtspieldauer (unter 40 Minuten) eher bescheidene, insgesamt aber in sich \u00e4u\u00dferst schl\u00fcssige und gewinnbringende Produktion.<\/p>\n<p align=\"left\"><i>J\u00fcrgen Schaarw\u00e4chter<\/i><\/p>\n<p align=\"left\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/logo_russisch.gif?ssl=1\" \/><br \/>\n11\/2012<\/p>\n<p align=\"left\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/11014_Russisch.jpg?ssl=1\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">\n<p align=\"left\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/logo_NeueZeitschriftMusik.jpg?ssl=1\" \/><br \/>\n03\/2011<\/p>\n<p align=\"left\"><b>EMPFEHLUNG<\/b><\/p>\n<p align=\"left\"><b>Musikalische Wertung: 5<br \/>\nTechnische Wertung: 5<br \/>\nRepertoirewert: 5<br \/>\nBooklet: 5<br \/>\nGesamtwertung: 5<\/b><\/p>\n<p align=\"left\">Mit 93 Jahren, im Jahre 2001, schrieb Elliott Carter ein zwanzigmin\u00fctiges Cellokonzert. Die Vorstellung von musikalischen Gruppen, deren Existenz nicht im Miteinander, sondern im Gegeneinander begr\u00fcndet liegt, fiel in den USA auf ebenso fruchtbaren Bo\u00adden wie das Konzept einer Musik, die zwar Organismus bleibt, deren Glieder sich aber in verschiedenen Tempi in unterschiedliche Richtung bewegen.<\/p>\n<p align=\"left\">Auch im Cellokonzert verhalten sich Orchestermusiker und Solist protagonistisch. Letzterer beginnt mit einer Solokadenz. Sie l\u00e4sst das Material schon anklingen, das den durchkomponierten Konzertsatz pr\u00e4gt. Ungeachtet des kontinuierlichen Spielflusses lassen sich sieben Szenen je eigener Art erkennen, verbunden durch episodische Vorgriffe auf das finale \u00abAllegro fantastico\u00bb.<\/p>\n<p align=\"left\">Die Charakter-Bezeichnung des Kopfteils, \u00abDrammatico\u00bb, erf\u00fcllen die Sinfoniker des Bayerischen Rundfunks unter der anfeuernden Leitung des jungen Kristjan J\u00e4rvi kontrastscharf. Mit peitschenden Fortissimo-Schl\u00e4gen fallen sie in den Monolog des Solocellos ein.<\/p>\n<p align=\"left\">Der nachfolgende \u00abAllegro appassionato\u00bb-Teil sieht von derlei Tutti-Gewalten ab. Herzst\u00fcck des Konzerts ist ein deli\u00adkates Duett zwischen dem Solocello \u2013 dem Jan Vogler (im Sinne Goethes) eine sch\u00f6ne Seele einhaucht \u2013 und dem Schlagzeug. Hier wie im nachfolgenden \u00abLento\u00bb zeigt sich Carter als Meister orchestraler Farben und D\u00fcfte.<\/p>\n<p align=\"left\">Der \u00abMaestoso\u00bb-Teil verwickelt den Solisten in einen Dialog, auf den sich die Blechbl\u00e4ser des Orchesters mit Wonne einlassen, bevor das Cello abermals sein bet\u00f6rendes Melos verstr\u00f6mt. Einsam, wie es begann, klingt das konzertante Drama aus.<\/p>\n<p align=\"left\">Udo Zimmermann schrieb 2009 ein undramatisches, verschwiegenes, ganz nach innen gekehrtes Konzert f\u00fcr Violoncello und Orchester. Sein von Ingeborg Bachmann entlehnter Titel deutet die poetische Idee an: Lieder von einer Insel. \u00abIch hab\u2019 im Traum geweinet\u00bb, singt das Solocello anfangs verst\u00f6rt, \u00abmir tr\u00e4umte, du l\u00e4gest im Grab.\u00bb Verloren das lyrische Ich, fast sprachlos vor Verlustschmerz. Heines Melancholie, von Schumann ins Lied gehoben, pausenzerkl\u00fcftet.<\/p>\n<p align=\"left\">\u00abAnfangs kann man mitsingen, sp\u00e4ter lockert sich die Ton-Wort-Beziehung und fordert auf, nach anderen Assoziationspunkten, Einstiegen zu suchen\u00bb, kommentierte Peter G\u00fclke im M\u00fcnchner Programmheft triftig. In seine Partitur trug der Komponist f\u00fcnf Texte ein, die als poetischer Unterstrom in seine Musik einflossen (aus: Lieder von einer Insel von Ingeborg Bachmann, Lyrisches Intermezzo von Heinrich Heine; Else Lasker-Sch\u00fcler: Vers\u00f6hnung; Franz von Assisi: Indulceam ubi est culpa; Friedrich H\u00f6lderlin: Hyperions Schicksalslied).<\/p>\n<p align=\"left\">Die Anfangszeilen des Gedichts von Lasker-Sch\u00fcler stehen dem kanonisch gef\u00fcgten Mittelteil voran (nach der ersten Solo-Kadenz). Die Worte Bach\u00admanns und des heiligen Franziskus schweben als eher ortlose Stimmen \u00fcber dem gut viertelst\u00fcndigen St\u00fcck. Vogler, J\u00e4rvi und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks versenken sich feinnervig in die immanente Gesanglichkeit des in sich kreisenden Werks.<\/p>\n<p align=\"right\"><i>Lutz Lesle<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/11014_Pizzicato_Super.jpg?ssl=1\" \/><\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/11014_Pizzicato.jpg?ssl=1\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/logo_ionarts.gif?ssl=1\" \/><\/p>\n<p>13.12.2010<\/p>\n<p><b>Best Recordings of the Year 2010\u00a0&#8211; New Release<\/b><\/p>\n<p>A disc with just 39 minutes of playing time? Yes. And not only do I think that\u2019s not a problem, I like it. There is no reason that in 2010 any published sound recording should be measured by how close it gets to the (now) arbitrary 80-minute mark that the CD has standardized. That limit has just about become meaningless. SACDs can only fit about 70-some minutes on a disc. But SACDs with regular definition content can fit up to ten hours. If audio-only BluRay discs become common, the limit is even higher (will we complain then, if the music on one disc doesn\u2019t max out the storage capacity?), but more likely the very idea of \u201ccapacity\u201d is going to go, as we are moving toward streaming, downloading, and media servers. The blurb on press flyer justifying the short playing time doesn\u2019t even go into that, but is just as right: &#8222;We deemed it appropriate not to dilute the impact of these two works by adding any filler, just to get to a greater play time for this SACD.&#8220; Bravo!<\/p>\n<p>I\u2019ve written about the concert from where this CD was recorded here. Elliot Carter\u2019s Cello Concerto with its searching and confused solo cello opening\u2014courtesy Jan Vogler\u2014is pierced by orchestra stabs that are as short as they are vigorous, which then mellow considerably as they travel through the orchestral sections one by one. The orchestra has one surprising moment approximating lyricism, the cello part is often barely played, timidly screeching like cats at night with broken hearts. Atypical for Carter, the meandering work makes it difficult to perceive any musical purpose or goal, though the end has a coy smile that gives Carter, even at his most modern, that human touch that many of his modernist colleagues lack. By the way: Happy Birthday Elliot!<\/p>\n<p>Still more intriguing on this disc is Udo Zimmermann\u2019s Cello Concerto \u201cSongs from an Island\u201d which received its world premiere performance here, under Kristjan J\u00e4rvi and with Vogler. Zimmermann is in charge of the Musica Viva series, so seeing a composition of his at his \u2018own\u2019 event\u2014though the first in over a decade\u2014wasn\u2019t terribly surprising. The work itself, its quality and listenability, is surprising though. It starts with lengthy, fragmented quotes from Schumann\u2019s \u201cIch hab im Traum geweinet\u201d (Dichterliebe, op.48) which allow the cello to do what it can do best: sing. While the cello is almost incidental to Carter\u2019s concerto (any instrument\u2014a dulcimer, for example\u2014might have served equally well), here it is stipulated by Zimmermann\u2019s music. Purpose, truth\u2019s little cousin, is established and the mind can begin to grasp and the ears can go on a journey with the composer. Zimmermann hides behind Schumann for the beauty; typical of the reflexive cowardice of modern(ist) European composers when it comes to musical consonance. \u201cIs that allowed? Is this an Anti-Concerto\u201d his notes at the concert disingenuously questioned and eagerly postulated. But better beauty and purpose under a pretense than not at all, and that\u2019s what we get: The concerto is gorgeous, even when it gets busy, noisy, and tangled. Via perceptible ideas and motifs, through recognizability and musical craftsmanship Udo Zimmermann has arrived, if not at truth, so at least in reality.<\/p>\n<p>Auszeichnungen &amp; Erw\u00e4hnungen:<\/p>\n<p align=\"left\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/11014_Pizzicato_Super.jpg?ssl=1\" \/><\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/11014_Pizzicato.jpg?ssl=1\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/logo_ionarts.gif?ssl=1\" \/><\/p>\n<p>13.12.2010<\/p>\n<p><b>Best Recordings of the Year 2010 &#8211; New Release<\/b><\/p>\n<p>A disc with just 39 minutes of playing time? Yes. And not only do I think that\u2019s not a problem, I like it. There is no reason that in 2010 any published sound recording should be measured by how close it gets to the (now) arbitrary 80-minute mark that the CD has standardized. That limit has just about become meaningless. SACDs can only fit about 70-some minutes on a disc. But SACDs with regular definition content can fit up to ten hours. If audio-only BluRay discs become common, the limit is even higher (will we complain then, if the music on one disc doesn\u2019t max out the storage capacity?), but more likely the very idea of \u201ccapacity\u201d is going to go, as we are moving toward streaming, downloading, and media servers. The blurb on press flyer justifying the short playing time doesn\u2019t even go into that, but is just as right: &#8222;We deemed it appropriate not to dilute the impact of these two works by adding any filler, just to get to a greater play time for this SACD.&#8220; Bravo!<\/p>\n<p>I\u2019ve written about the concert from where this CD was recorded here. Elliot Carter\u2019s Cello Concerto with its searching and confused solo cello opening\u2014courtesy Jan Vogler\u2014is pierced by orchestra stabs that are as short as they are vigorous, which then mellow considerably as they travel through the orchestral sections one by one. The orchestra has one surprising moment approximating lyricism, the cello part is often barely played, timidly screeching like cats at night with broken hearts. Atypical for Carter, the meandering work makes it difficult to perceive any musical purpose or goal, though the end has a coy smile that gives Carter, even at his most modern, that human touch that many of his modernist colleagues lack. By the way: Happy Birthday Elliot!<\/p>\n<p>Still more intriguing on this disc is Udo Zimmermann\u2019s Cello Concerto \u201cSongs from an Island\u201d which received its world premiere performance here, under Kristjan J\u00e4rvi and with Vogler. Zimmermann is in charge of the Musica Viva series, so seeing a composition of his at his \u2018own\u2019 event\u2014though the first in over a decade\u2014wasn\u2019t terribly surprising. The work itself, its quality and listenability, is surprising though. It starts with lengthy, fragmented quotes from Schumann\u2019s \u201cIch hab im Traum geweinet\u201d (Dichterliebe, op.48) which allow the cello to do what it can do best: sing. While the cello is almost incidental to Carter\u2019s concerto (any instrument\u2014a dulcimer, for example\u2014might have served equally well), here it is stipulated by Zimmermann\u2019s music. Purpose, truth\u2019s little cousin, is established and the mind can begin to grasp and the ears can go on a journey with the composer. Zimmermann hides behind Schumann for the beauty; typical of the reflexive cowardice of modern(ist) European composers when it comes to musical consonance. \u201cIs that allowed? Is this an Anti-Concerto\u201d his notes at the concert disingenuously questioned and eagerly postulated. But better beauty and purpose under a pretense than not at all, and that\u2019s what we get: The concerto is gorgeous, even when it gets busy, noisy, and tangled. Via perceptible ideas and motifs, through recognizability and musical craftsmanship Udo Zimmermann has arrived, if not at truth, so at least in reality.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Infotext: Elliott Carter &#8211;\u00a0Cellokonzert Kontrastreiche Begegnung instrumentaler Protagonisten Der englische Dirigent Oliver Knussen sieht in Elliott Carter den \u00bbbedeutendsten musikalischen Dramatiker der Gegenwart auf dem Gebiet der Instrumentalkomposition\u00ab. F\u00fcr seine Partituren entwirft Elliott Carter regelrechte Szenarien, in denen die Instrumentalisten als individuelle Charaktere agieren. 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