{"id":3106,"date":"2010-05-15T16:48:11","date_gmt":"2010-05-15T16:48:11","guid":{"rendered":"https:\/\/neos-music.com\/?post_type=product&#038;p=3106"},"modified":"2022-11-19T16:49:59","modified_gmt":"2022-11-19T16:49:59","slug":"york-hoeller-sphaeren-der-ewige-tag","status":"publish","type":"product","link":"https:\/\/neos-music.com\/en_us\/product\/york-hoeller-sphaeren-der-ewige-tag\/","title":{"rendered":"York H\u00f6ller: Sph\u00e4ren &#8211; Der ewige Tag"},"content":{"rendered":"<p>Infotext:<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"100%\" rules=\"none\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"bigcontent2\">\n<div id=\"infotext\">\n<p>Musikalischer Beziehungsreichtum<\/p>\n<p>Mit seinem Orchesterzyklus Sph\u00e4ren hat der Komponist York H\u00f6ller ein gro\u00dfformatiges Werk geschaffen, das wie in einem Brennpunkt die literarischen, k\u00fcnstlerischen und pers\u00f6nlichen Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte b\u00fcndelt. Sph\u00e4ren besteht aus sechs \u00bbKlangbildern\u00ab unterschiedlichen Charakters, von denen die ersten f\u00fcnf w\u00e4hrend der Jahre 2001 bis 2005 entstanden sind; nach dem Tod seiner Ehefrau Ursula H\u00f6ller-Heidemann im Januar 2006 f\u00fcgte H\u00f6ller noch den abschlie\u00dfenden sechsten Satz hinzu und widmete die Musik \u00bbin Liebe und Dankbarkeit\u00ab dem Andenken der Verstorbenen. Mit der Benennung sowohl des Zyklus\u2019 wie auch der Einzels\u00e4tze bringt der Komponist auf der Ebene der Titelgebung einen Beziehungsreichtum ins Spiel, der einige Anregungen und Impulse der Werkentstehung spiegelt.<\/p>\n<p>Das Titel gebende Bild der Sph\u00e4re erinnert zun\u00e4chst \u2013 im Sinne des Begriffs \u00bbsphaira\u00ab (griech.: H\u00fclle) und anspielend auf die antike Naturphilosophie mit ihren vier Elementen Luft, Wasser, Erde und Feuer \u2013 an eine in sich geschlossene Gesamtheit und alles umh\u00fcllende Totalit\u00e4t. Von dieser Bedeutung her benennt es den zusammenfassenden Charakter, der dem Sph\u00e4ren-Zyklus, gleichsam als Summe von kompositorischen Erfahrungen, im Schaffen H\u00f6llers zukommt. Exemplarisch realisiert der Komponist hier seine Idee vom Kunstwerk als \u00bborganisch-energetischem System\u00ab, in dem alle Bestandteile nicht nur funktionell aufeinander bezogen sind, sondern auch auf einheitliche strukturelle Grundlagen, die so genannten \u00bbKlanggestalten\u00ab, zur\u00fcckgehen, die \u2013 vergleichbar dem menschlichen Erbgut \u2013 alle melodischen, harmonischen, rhythmischen und formalen Entwicklungsm\u00f6glichkeiten des Werkes keimhaft in sich tragen und sie im zeitlichen Verlauf der Musik entfalten. Jeder Einzelsatz der Sph\u00e4ren lotet demnach bestimmte Lesarten einer dem ganzen Zyklus zugrunde liegenden Klanggestalt aus und l\u00e4sst sie auf individuelle Weise, aber dennoch kompositorisch auch auf die \u00fcbrigen St\u00fccke bezogen, hervortreten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die atmosph\u00e4rischen Wechsel der ersten vier Klangbilder Wolkengesang, Windspiel, Erdschichten und Regen-Kanon sich H\u00f6ller zufolge \u00bbregelm\u00e4\u00dfigen Aufenthalten in der oberitalienischen Alpensee-Landschaft und den damit verbundenen Natureindr\u00fccken\u00ab verdanken, handelt es sich beim f\u00fcnften St\u00fcck, Feuerwerk, um die orchestrale Adaption eines Ensemblewerks, das der Komponist 2005 anl\u00e4sslich des 75-j\u00e4hrigen Bestehens seiner Geburtsstadt Leverkusen im Hinblick auf die sp\u00e4tere Integration in den Sph\u00e4ren-Zyklus geschrieben hat. Eine besondere Bedeutung des Titels Sph\u00e4ren er\u00f6ffnet sich schlie\u00dflich angesichts des nachtr\u00e4glich hinzugef\u00fcgten Klangbilds Sph\u00e4rentrauer, wenn man dem Hinweis des Komponisten auf Peter Sloterdijks philosophisches Hauptwerk Sph\u00e4ren (1998\u20132004) folgt und ihn mit H\u00f6llers Widmung des Zyklus\u2019 an seine verstorbene Ehefrau zusammendenkt. Denn Sloterdijk benutzt den Begriff der \u00bbSph\u00e4re\u00ab f\u00fcr jenen gemeinsamen Erlebnis- und Erfahrungsraum, in dem die aus zwei Menschen gebildete Polarit\u00e4t eines Paares zum gemeinsam verstandenen Seinsverh\u00e4ltnis des Zusammengeh\u00f6rens wird: ein Verh\u00e4ltnis, das jedoch immer auch durch Instabilit\u00e4ten gef\u00e4hrdet ist \u2013 am gravierendsten durch den Tod des Gegen\u00fcbers.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund l\u00e4sst sich Sph\u00e4rentrauer als k\u00fcnstlerischer Versuch der Bew\u00e4ltigung einer existenziellen Krise auffassen: H\u00f6ller legt dem Satz das St\u00fcck Tastengel\u00e4ut aus dem Klavierzyklus Monogramme (1995\u20132003) zugrunde, damit der Assoziation des Glockenklangs nachgebend, die im Tonsatz mitschwingt. Im neuen Klanggewand ist der Vorlage ein prim\u00e4r akkordisch gearbeiteter Einleitungsteil vorgelagert, der harmonisch auf dem ersten Segment der Klanggestalt von Sph\u00e4ren basiert und den Satz dadurch eng an die \u00fcbrigen f\u00fcnf St\u00fccke bindet. In melodischer Hinsicht sind diesem Abschnitt jene Strukturen eingeschrieben, die Franz Schubert im R\u00fcckgriff auf sein eigenes Lied dem Variationssatz des Streichquartetts Der Tod und das M\u00e4dchen zugrunde gelegt hat \u2013 ein Thema, das H\u00f6ller dann im weiteren Verlauf des Orchesterst\u00fccks als Klangsymbol in die Textur einarbeitet und als Konkretisierung dessen erscheinen l\u00e4sst, was melodisch und harmonisch ohnehin bereits in der Musik verborgen war. Dieses \u00bbmemento mori\u00ab beschlie\u00dft einen zu Musik kristallisierten Erfahrungsschatz, der durch vielf\u00e4ltige Formen von expressiver Intensit\u00e4t beeindruckt und den H\u00f6rer zu musikalischem Erleben anstiften m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Auf anderer Ebene eignet auch der Komposition Der ewige Tag f\u00fcr Chor und Orchester (1998\u20132000, rev. 2002) ein zusammenfassender Charakter. Die von H\u00f6ller ausgew\u00e4hlte Lyrik umspannt in drei miteinander korrespondierenden Textstationen Zeit und Raum und greift damit die im Titel thematisierte Idee eines in die Ewigkeit hinein ausgedehnten Tageslaufs, einer Art mythischen Sonnenwanderung von Ost nach West, auf \u2013 sie zugleich mit dem Bild einer friedlichen Koexistenz dreier unterschiedlicher Kulturen verschr\u00e4nkend: Sie gibt den Gedanken des mittelalterlich arabisch-islamischen Dichters Ibn Scharif zu Morgen und Orient Raum, verkn\u00fcpft diese mit dem expressionistischen Blick Georg Heyms auf Bilder aus der antiken griechischen Mythologie, die f\u00fcr die Zeit vom sp\u00e4ten Vormittag bis zum milden Abend stehen, und geleitet den H\u00f6rer schlie\u00dflich, im Zwischenspiel von irrlichternden Zitaten aus Gustav Mahlers 7. Sinfonie unterst\u00fctzt, zu Pablo Neruadas Zeilen \u00fcber \u00bburalte Nacht und D\u00fcnste von Salz\u00ab aus der lateinamerikanischen Gegenwart, die \u2013 lokalisiert an den Ufern des Stillen Ozeans \u2013 den Blick wieder darauf richten, dass am n\u00e4chsten Morgen die Sonne im \u00bbOsten ergl\u00fcht\u00ab. Auf der Textebene ist der Komposition damit eine unendliche Bewegung eingeschrieben, die musikalisch mit H\u00f6llers plastischer Behandlung von Chor und Orchester korrespondiert und darauf zielt, die im Titel thematisierte Utopie des \u00bbewigen Tages\u00ab nachzuzeichnen: eines Tages, der, im Sinne eines \u00bbewigen Kreislaufs\u00ab, \u00bbnicht endet, sondern am Punkt seines Endes mit dem Anfang kurzschlie\u00dft und wieder neu beginnt\u00ab (H\u00f6ller). Das Werk ist Wolfgang Becker gewidmet.<\/p>\n<p>Stefan Drees<\/p>\n<\/div>\n<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Programm:<\/p>\n<p><b>Sph\u00e4ren<\/b>\u00a0(2001\u20132006)\u00a0<b>39:22<br \/>\n<\/b>for large orchestra and live electronics<\/p>\n<p>[01] I Wolkengesang 05:40<br \/>\n[02] II Windspiel 05:57<br \/>\n[03] III Erdschichten 07:49<br \/>\n[04] IV Regen-Kanon 05:56<br \/>\n[05] V Feuerwerk 08:17<br \/>\n[06] VI Sph\u00e4rentrauer 05:44<\/p>\n<p>2010 Grawemeyer Award for Music Composition<br \/>\nWorld Premiere Recording<\/p>\n<p>[07[\u00a0<b>Der ewige Tag<\/b>\u00a0(1998\u20132000, rev. 2002)\u00a0<b>22:38<br \/>\n<\/b>for mixed chorus, large orchestra and live electronics<br \/>\nTexts by Ibn Scharaf, Georg Heym and Pablo Neruda<\/p>\n<p>total time 62:11<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a class=\"arcoma_glossarylink\" href=\"https:\/\/neos-music.com\/output.php?content=Kuenstler\/WDR_Sinfonieorchester_Koeln.php&amp;treplace=english%2Cgerman\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">WDR Sinfonieorchester K\u00f6ln<\/a><br \/>\n<a class=\"arcoma_glossarylink\" href=\"https:\/\/neos-music.com\/output.php?content=Kuenstler\/WDR_Rundfunkchor_Koeln.php&amp;treplace=english%2Cgerman\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">WDR Rundfunkchor K\u00f6ln<\/a><br \/>\n<a class=\"arcoma_glossarylink\" href=\"https:\/\/neos-music.com\/output.php?content=Kuenstler\/Bychkov_Semyon.php&amp;treplace=english%2Cgerman\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">Semyon Bychkov<\/a>, conductor<\/p>\n<p>Pressestimmen<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/logo_musicweb.jpg?ssl=1\" \/><br \/>\n11\/2010<\/p>\n<p>The most\u00a0 substantial work here, Sph\u00e4ren had a rather long genesis\u00a0 although conceived as a whole from the start. The final movement was added in\u00a0 2006 as a memorial to the composer\u2019s recently deceased wife to whom the cycle\u00a0 is dedicated. The six movements are played without a break which clearly\u00a0 emphasises its global conception. The title of each of the first four\u00a0 movements \u2013 and indeed that of the fifth \u2013 suggests a poetic idea triggering\u00a0 the composer\u2019s and the listener\u2019s imagination rather than any specific\u00a0 programme. Here they are : Wolkengesang (\u201cSong of the Clouds\u201d),\u00a0 Windspiel (\u201cPlay of the Wind\u201d, a capricious Scherzo in all but the\u00a0 name), Erdschichten (\u201cLayers of Earth\u201d, slow, massive, at times\u00a0 seismic), and Regen-Kanon (\u201cRain Canon\u201d, raindrops suggested by\u00a0 endlessly repeated pizzicatos but building up to a climax before making its\u00a0 way to the initial mood).<\/p>\n<p>Of these the first movement is the most important\u00a0 because the main material from which most of the ensuing music derives is\u00a0 stated in the first fourteen bars. The opening of the score is reproduced in\u00a0 the inside cover of the jewel box, which is a very nice idea indeed. The fifth\u00a0 movement is the orchestral version of a work for ensemble composed to mark the\u00a0 seventy-fifth anniversary of the founding of H\u00f6ller\u2019s home town Leverkusen,\u00a0 but with a view to its later inclusion in Sph\u00e4ren. Its title\u00a0 Feuerwerk (\u201cFireworks\u201d) and the music speak for themselves in a\u00a0 brilliant display of orchestral virtuosity. As already mentioned the sixth\u00a0 movement Sph\u00e4rentrauer (\u201cThe Sadness of the Spheres\u201d) was added in 2006\u00a0 after the death of the composer\u2019s wife. The music, however, retains some of\u00a0 the material from the first movement whereas most of it is based on a piano\u00a0 piece Tastengel\u00e4ut from the piano cycle Monogramme\u00a0 (1995\/2003). The sound of bells suggested in the piano piece permeates much of\u00a0 the music thus emphasising the elegiac character of the final movement. The\u00a0 excellent and detailed notes by Stefan Drees go into considerable details as\u00a0 to the meaning that may be attached to the word \u201cSpheres\u201d, be they physical,\u00a0 psychological or philosophical; but I firmly think that the music of this\u00a0 substantial work may be easily experienced as a series of neatly defined and\u00a0 vividly suggested \u201csound images\u201d or \u201cmusical climates\u201d. Much is left to the\u00a0 listener\u2019s imagination and one cannot but admire the superb orchestral writing\u00a0 throughout and the structural coherence of the piece. This is one of the most\u00a0 impressive orchestral scores that I have heard recently.<\/p>\n<p>This does not\u00a0 mean that Der ewige Tag (\u201cThe Eternal Day\u201d) for chorus and\u00a0 orchestra is not worth considering. Though in a single movement, it falls into\u00a0 three sections setting texts by three different writers. The first part sets a\u00a0 poem by Ibn Scharaf entitled \u201cMorning\u201d in which the poet not only paints the\u00a0 dawning sun but also evokes his beloved in lyrical words. The second section\u00a0 roughly dealing with the main part of the day from morning to early evening is\u00a0 by Georg Heym who transforms day time into a mythological travelogue around\u00a0 the Mediterranean Sea. An orchestral interlude in which a brief allusion to\u00a0 Mahler\u2019s Seventh Symphony is heard leads into the final section setting La\u00a0 Noche en Isla Negra by Neruda.<\/p>\n<p>Unfortunately enough the text of\u00a0 this poem could not be reprinted because of copyright\u2019s reasons. After a first\u00a0 hearing I thought that the music lacked variety and that H\u00f6ller\u2019s setting did\u00a0 not make the best of what the words had to offer. Further hearings helped me\u00a0 change my mind about it. After all, the idea is that of \u201can eternal day\u201d in\u00a0 which sunset somewhere means dawn somewhere else. This aspect seemed to\u00a0 justify H\u00f6ller\u2019s approach to his chosen texts. They too symbolically follow\u00a0 the course of the sun during a single day from East to West. Incidentally this\u00a0 recording has previously been released on Avie AV 0019 as a most generous\u00a0 \u201cfill-up\u201d to Mahler\u2019s Third Symphony.<\/p>\n<p>Both works written for large\u00a0 orchestra and live electronics display H\u00f6ller\u2019s best qualities. His vivid\u00a0 orchestral imagination still enlivened by subtly used electronics makes his\u00a0 music readily accessible and strongly expressive without compromise. Excellent\u00a0 performances and very fine recording make this release most welcome, the more\u00a0 so given that H\u00f6ller\u2019s music is still too little known. I hope that this\u00a0 splendid release will help redress the balance.<\/p>\n<p>Hubert\u00a0 Culot<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/klassikcom.gif?ssl=1\" \/><br \/>\n09.08.2010<\/p>\n<p><b>Organische Konstruktionen<\/b><\/p>\n<p>Zur kompositionstheoretischen Auslegung seiner Werke zieht der aus Leverkusen stammende York H\u00f6ller gerne den Begriff der Klanggestalt heran. So auch f\u00fcr seinen 40 Minuten dauernden Zyklus &#8218;Sph\u00e4ren&#8216; f\u00fcr gro\u00dfes Orchester und Live-Elektronik, der hier gemeinsam mit &#8218;Der ewige Tag&#8216;, ebenfalls f\u00fcr gro\u00dfes Orchester und Live-Elektronik sowie gemischten Chor, eingespielt vorliegt. Verantwortlich zeichnen das WDR Sinfonieorchester K\u00f6ln und der WDR Rundfunkchor K\u00f6ln unter Semyon Bychkov. Zur\u00fcck zur Klanggestalt: H\u00f6ller versteht darunter, darin der entwickelnden Variation prinzipiell nicht un\u00e4hnlich, komplexe Gebilde, deren Offenheit und Transformierbarkeit den Grundstein f\u00fcr die Entwicklung eines gesamten Werkes in sich tragen. Durch diesen st\u00e4ndig pr\u00e4senten und sich erweiternden musikalischen Zusammenhang werde zugleich H\u00f6llers Idee vom Kunstwerk als \u201aorganisch-energetischem System\u2018 realisiert. So weit, so schwierig. Unschwer ist in diesen Andeutungen zu erkennen, dass die sch\u00f6pferischen Wurzeln des 1944 Geborenen in der Zweiten Wiener Schule liegen. Gro\u00dfe Namen wie Stockhausen, Zimmermann, Eimert als Lehrer kommen hinzu.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise jedoch lassen sich die &#8218;Sph\u00e4ren&#8216; keineswegs einseitig auf ein B\u00fcndel diverser Einfl\u00fcsse zur\u00fcckf\u00fchren. F\u00fcr seine sechs &#8218;Klangbilder&#8216; hat der Kompositionsprofessor und ehemalige k\u00fcnstlerische Leiter des Studios f\u00fcr Elektronische Musik am WDR den Gravemeyer Award erhalten, zu dessen fr\u00fcheren Gewinnern unter anderem Gy\u00f6rgy Ligeti, Pierre Boulez oder Krzysztof Penderecki geh\u00f6ren. H\u00f6rt man die S\u00e4tze mit so klingenden Titeln wie &#8218;Wolkengesang&#8216;, &#8218;Windspiel&#8216;, &#8218;Regen-Kanon&#8216; oder gar &#8218;Feuerwerk&#8216;, gewinnt die Idee vom organisch-energetischem System etwas Bezwingendes. H\u00f6llers bis ins kleinste Detail wundersch\u00f6n instrumentierte Verl\u00e4ufe erzeugen ganz von alleine ohne erkl\u00e4renden Zusatz den Eindruck des Flie\u00dfens, Pulsierens und Wachsens. So konstruiert alles sein muss, so organisch-unmittelbar, so sinnlich ansprechend wirkt es. Dies zumal sich die elektronisch generierten Kl\u00e4nge irritierend problemlos in die farbenschillernden Schichten des WDR Sinfonieorchesters einf\u00fcgen, wodurch eine Art potenzierter, atmosph\u00e4risch reizvoller Gesamtklang entsteht. F\u00fcr den \u201anaiven\u2018, nicht strukturell geschulten H\u00f6rer erleichtert sich auch dadurch der Zugang, dass H\u00f6ller die \u00dcberschriften seiner Klangbilder nicht willk\u00fcrlich gew\u00e4hlt hat. &#8218;Wolkengesang&#8216; etwa zeichnet sich durch eine von den Streichern heraufbeschworene schwebende Statik aus w\u00e4hrend im &#8218;Regen-Kanon&#8216; \u201atropfende\u2018 Pizzicato-Kaskaden dominieren. Das sechste Klangbild &#8218;Sph\u00e4rentrauer&#8216; hingegen soll durch den produktiven Umgang mit einem Schubert-Zitat aus dem Streichquartett &#8218;Der Tod und das M\u00e4dchen&#8216; an H\u00f6llers verstorbene Ehefrau erinnern, der die &#8218;Sph\u00e4ren&#8216; gewidmet sind.<\/p>\n<p>Dass H\u00f6ller sich nicht vorm Zitieren scheut, wird gleichfalls in &#8218;Der ewige Tag deutlich&#8216;, denn hier tauchen nach behutsamer Vorbereitung gegen Ende jeweils der Anfang der ersten und zweiten Nachtmusik aus Gustav Mahlers Siebter Sinfonie auf. Die aus drei verschiedenen Epochen und Kulturkreisen stammenden Gedichte von Ibn Scharif, George Heym und Pablo Neruda dienen unter anderem dazu, die Vision einer friedlichen, weltumspannenden Utopie zu evozieren. Gleichwohl ist es ein wenig schade, dass s\u00e4mtliche Texte einheitlich in der Art eines Rezitativs mehr gesprochen als gesungen werden. Zwar tr\u00e4gt das zur Verst\u00e4ndlichkeit der Gedichtinhalte bei, erweckt auf Dauer jedoch den Eindruck von Monotonie. Interpretatorisch lassen Orchester und Chor unter Semyon Bychkov keinerlei W\u00fcnsche offen. Der informative Booklet-Text f\u00e4llt recht kurz aus<\/p>\n<p>Aron Sayed<\/p>\n<p>Interpretation:<img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/stars4.gif?ssl=1\" \/><br \/>\nKlangqualit\u00e4t:<img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/stars4.gif?ssl=1\" \/><br \/>\nRepertoirewert:<img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/stars4.gif?ssl=1\" \/><br \/>\nBooklet:<img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/stars3.gif?ssl=1\" \/><\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/logo_diapason.jpg?ssl=1\" \/><br \/>\n09\/2010<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/11039_Diapason.jpg?ssl=1\" \/><\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/logo_Katholiek_Nieuwsblad.jpg?ssl=1\" \/><br \/>\n07\/2010<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/11039_Katholiek_Nieuwsblad.jpg?ssl=1\" \/><\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/guardian-logo.gif?ssl=1\" \/><br \/>\n17.06.2010<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/stars4.gif?ssl=1\" \/><\/p>\n<p><i>Sph\u00e4ren<\/i>, a 40-minute cycle of six pieces for large orchestra and live electronics, completed in 2006, won York H\u00f6ller this year&#8217;s prestigious\u00a0<b>Grawemeyer award for composition<\/b>. Since he was a pupil of Stockhausen in the 1970s and one of the pioneering composers to work with Boulez at Ircam in Paris in the 80s, H\u00f6ller has produced a stream of impressive orchestral works, often using electro-acoustic techniques, and his own musical language has become gradually more simplified in the process.<\/p>\n<p>The title of\u00a0<i>Sph\u00e4ren<\/i>\u00a0alludes to the ancient Greek idea of the four natural elements \u2013 earth, air, fire and water \u2013 and the movements all carry evocative titles \u2013 Song of the Clouds, Wind Chimes, Layers of Earth, and so on. The music, too, is strikingly pictorial, often sounding like early Stravinsky, with an added veneer of electronic sounds; it&#8217;s highly effective, just as the choral settings of texts by Ibn Sharaf, Heym and Neruda in Der Ewige Tag (from 2002, again with live electronics) have a genuine allure about them. H\u00f6ller, it seems, has supplemented his old musical rigour with something more immediately communicative.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/logo_SWR2.jpg?ssl=1\" \/><br \/>\nSendung am 22. Mai 2010<\/p>\n<p>SWR2 &#8211;\u00a0<b>Neues vom Klassikmarkt<br \/>\n<\/b>vorgestellt von Georg Wa\u00dfmuth<\/p>\n<p>Im vergangen, langen und kalten Winter erhielt der in K\u00f6ln lebende Komponist York H\u00f6ller einen Anruf. Sein Verleger teilte ihm mit, dass er den mit 200.000 Dollar dotierten Grawemeyer Award gewonnen habe. Stifter ist der 1993 verstorbene Industriebaron Charles Grawemeyer, der eine lebenslange Leidenschaft f\u00fcr Musik hegte. York H\u00f6ller ist der erste Deutsche, der mit dem Preis ausgezeichnet wurde.<\/p>\n<p>1944 in Leverkusen \u2013 Schlebusch geboren, geh\u00f6rte H\u00f6ller stets zur Avantgarde der Neuen Musik. Die elektronische Klangerweiterung hat er ma\u00dfgeblich beeinflusst, seine Oper \u201eDer Meister und Margarita\u201c war ein Welterfolg, er schrieb f\u00fcr alle m\u00f6glichen Besetzungsformen ein reiches Oeuvre.<\/p>\n<p>Den Grawemeyer Award erhielt H\u00f6ller f\u00fcr sein Orchesterwerk \u201eSph\u00e4ren\u201c. Es ist eine mehrteilige Beschreibung der oberitalienischen Seenlandschaft. H\u00f6ller, der unheilbar am Grauen Star erkrankt ist, durchwanderte die Region bis zur v\u00f6lligen Erblindung. Er schrieb sechs Jahre eine Art Ged\u00e4chtnisprotokoll f\u00fcr gro\u00dfes Orchester. \u201eWolkengesang\u201c ist der erste Satz \u00fcberschreiben. Es spielt das WDR Sinfonieorchester K\u00f6ln unter Semyon Bychkov.<\/p>\n<p>Das WDR Sinfonieorchester unter Semyon Bychkov spielte den Wolkengesang aus dem Orchesterzyklus \u201eSph\u00e4ren\u201c des K\u00f6lner Komponisten York H\u00f6ller. Nach seiner fast vollst\u00e4ndigen Erblindung war die Fertigstellung der Partitur ein \u00e4u\u00dferst m\u00fchsamer Prozess. H\u00f6ller arbeitet mit einem Computerprogramm, das ihm jede Note, die er mit der Tastatur eingibt, laut vorliest und ihm hilft, Note f\u00fcr Note an der richtigen Stelle der Partitur zu positionieren. Mit viel Geduld komponiert H\u00f6ller so pro Tag ein, zwei Takt. F\u00fcnf Jahre brauchte er f\u00fcr die 136 Seiten der Sph\u00e4ren-Partitur.<\/p>\n<p>Als im Jahr 2006 seine Frau Ursula H\u00f6ller-Heidemann starb, wollte der blinde Komponist die Arbeit aufgeben. W\u00e4hrend der Trauerfeier jedoch spielten K\u00f6lner Musikstudenten Schuberts \u201eDer Tod und das M\u00e4dchen\u201c. H\u00f6ller lieh sich bei Schubert das Thema und vollendete den eigenen Orchesterzyklus mit der Sph\u00e4rentrauer. Er widmete das Werk dem Andenken seiner Frau.<\/p>\n<p>Seymon Bychkov leitete das WDR Sinfonieorchester bei der Sph\u00e4rentrauer von York H\u00f6ller. Der gesamte Orchesterzyklus ist Teil einer Portrait-CD, die beim Label Neos in M\u00fcnchen erschienen ist. Die Produktion kann vorbehaltlos empfohlen werden, um den Komponist n\u00e4her kennen zu lernen.<\/p>\n<p>Neben dem Klangzauber des gro\u00dfen Orchesterapparates, der auch mit elektronischen Mitteln erweitert wird, spricht die vorz\u00fcgliche Interpretation f\u00fcr diese Weltersteinspielung.<\/p>\n<p>\u201eDer ewige Tag\u201c ein Werk f\u00fcr Chor und gro\u00dfes Orchester rundet die sehr aufw\u00e4ndig gestaltete Edition ab.<\/p>\n<p>Auszeichnungen &amp; Erw\u00e4hnungen:<\/p>\n<p><b><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/logo-grawemeyer.gif?ssl=1\" \/><br \/>\n<\/b>13.04.2010<\/p>\n<p><b>&#8222;Spheres,&#8220; a six-movement work for orchestra by German composer York Hoeller, has earned the 2010 University of Louisville Grawemeyer Award for Music Composition.<\/b><\/p>\n<p><b>York Hoeller, winner of the 2010 Grawemeyer Award for Music Composition<\/b><\/p>\n<p>The piece, chosen from among 136 entries worldwide, was performed for the first time in 2008 by the West German Broadcasting Corp.\u2019s symphony orchestra in Cologne, Germany.<\/p>\n<p>&#8222;The work grips you viscerally from the first bars and never lets up,&#8220; said Marc Satterwhite, a UofL music professor who directs the award.<\/p>\n<p>The 40-minute, six-movement piece was inspired by literature, music of the past and the elements of air, water, earth and fire from Greek philosophy, Satterwhite said. Hoeller, who spent five years composing the work, dedicated the last movement &#8222;with love and gratitude&#8220; to his wife, Ursula, who died in 2006.<\/p>\n<p>&#8222;The piece is magnificently scored, using a large orchestra to generate colors ranging from the most delicate to the most overwhelming,&#8220; Satterwhite said.<\/p>\n<p>Hoeller, professor emeritus of music composition at the Cologne University of Music, is known for fusing together live and electronic sounds in his works. His compositions often incorporate references to romanticism and French-influenced orchestration along with modernist techniques.<\/p>\n<p>&#8222;Spheres&#8220; is scheduled to be commercially released on CD in April by NEOS, a German company specializing in contemporary music recordings.<\/p>\n<p>Five Grawemeyer Awards are presented annually for outstanding works in music composition, ideas improving world order, psychology, education and religion.<\/p>\n<p><b>About York Hoeller<\/b><\/p>\n<p>German composer York Hoeller is best known for fusing together live and electronic sounds and incorporating modernist techniques, references to romanticism and French-influenced orchestration into his works.<\/p>\n<p>Born in Cologne in 1944, he was a music professor at Cologne University of Music, where he previously studied composition, electronics, piano and conducting. He studied philosophy and musicology at the University of Cologne.<\/p>\n<p>His pieces for acoustical instruments and electronic media have been performed by major ensembles such as the Chicago Symphony, Ensemble InterContemporain in Paris and the London Sinfonietta and championed by eminent conductors such as Daniel Barenboim and Pierre Boulez.<\/p>\n<p>In the mid-1970s, he began composing at the Paris Institut de Recherche et Coordination Acoustique\/Musique, an organization devoted to avant garde electro-acoustical music. In 1990, after becoming director of West German Broadcasting Corp.\u2019s electronic studio, he began developing \u201cgestalt composition,\u201d a method of writing music that orders one or more musical elements in a fixed series.<\/p>\n<p>Hoeller\u2019s 1989 opera, &#8222;Der Meister und Margarita,&#8220; which premiered at the Opera de Paris Palais Garnier, is based on a Russian novel by Mikhail Bulgakov about the devil&#8217;s visit to the Soviet Union. The same book also is said to have influenced Salman Rushdie&#8217;s novel &#8222;The Satanic Verses&#8220; and inspired Mick Jagger of the Rolling Stones to write &#8222;Sympathy for the Devil.&#8220; The six movements of Hoeller&#8217;s winning piece, &#8222;Spheres,&#8220; (&#8222;Sph\u00e4ren&#8220; in German) are &#8222;Song of the Clouds,&#8220; &#8222;Wind Chime,&#8220; &#8222;Layers of Earth,&#8220; &#8222;Rain Canon,&#8220; &#8222;Fireworks&#8220; and &#8222;Mourning of the Spheres.&#8220;<\/p>\n<p>Besides earning the Order des Arts et des Lettres from the French Minister of Culture in 1986, Hoeller has been a member of the Academy of Arts in Berlin since 1991. He has received the Bernd Alois Zimmermann Prize from the City of Cologne, the Foerderpreis of the State of North Rhine\u2013Westphalia, the Prize of the International Composers\u2019 Forum of UNESCO and the Rolf Liebermann Prize for Opera Composers.<\/p>\n<p>Boosey &amp; Hawkes, an international company specializing in 20th century classical music, publishes his work, including his Grawemeyer Award-winning orchestral piece.<\/p>\n<p>The Grawemeyer Award for Music Composition, given since 1985, previously has gone to musical luminaries Witold Lutoslawski, Gyorgy Ligeti and Pierre Boulez.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Infotext: Musikalischer Beziehungsreichtum Mit seinem Orchesterzyklus Sph\u00e4ren hat der Komponist York H\u00f6ller ein gro\u00dfformatiges Werk geschaffen, das wie in einem Brennpunkt die literarischen, k\u00fcnstlerischen und pers\u00f6nlichen Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte b\u00fcndelt. 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