{"id":3218,"date":"2008-09-15T13:27:17","date_gmt":"2008-09-15T13:27:17","guid":{"rendered":"https:\/\/neos-music.com\/?post_type=product&#038;p=3218"},"modified":"2024-08-06T10:55:02","modified_gmt":"2024-08-06T08:55:02","slug":"johannes-brahms-ein-deutsches-requiem","status":"publish","type":"product","link":"https:\/\/neos-music.com\/en_us\/product\/johannes-brahms-ein-deutsches-requiem\/","title":{"rendered":"Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem"},"content":{"rendered":"<p>Infotext:<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"100%\" rules=\"none\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"bigcontent2\">\n<div id=\"infotext\">\n<p><b>\u00bbTRAUERMUSIK ALS SEELIGPREISUNG DER LEIDTRAGENDEN\u00ab<\/b><\/p>\n<p>Die hier zu Geh\u00f6r kommende Klanggestalt rekonstruiert die Urform von Johannes Brahms\u2019 Deutschem Requiem vor dessen Siegeszug in chorsymphonischer Klangmacht. Diese Bearbeitung stammt von dem Komponisten Heinrich Poos (geboren 1928), der haupts\u00e4chlich mit Vokalmusik hervorgetreten ist und lange Jahre in Berlin Professor f\u00fcr Musiktheorie war. Poos erm\u00f6glicht uns einen Blick in Johannes Brahms\u2019 musikalische Werkstatt und auf den Arbeitsprozess des Deutschen Requiems, indem er den Orchesterpart auf zwei Klaviere verteilt und die Pauken als wesentliche orchestrale Impulsgeber hinzuf\u00fcgt.<\/p>\n<p>Der Werkstattcharakter dieser Bearbeitung wird historisch wie klanglich authentifiziert durch die verwendeten Instrumente: Die beiden Fl\u00fcgel sind Originalinstrumente aus dem gro\u00dfen Fundus des WDR, der eine ein Erard-Fl\u00fcgel, 1839 in Paris gebaut, der andere ein Collard-Fl\u00fcgel aus London von 1849. Auch die Kesselpauken sind historische Instrumente, gefertigt und verwendet zu Brahms\u2019 Lebzeiten.<\/p>\n<p>Diese Klangfassung ist zugleich eine Zeitreise zur Entstehung des Requiems: Johannes Brahms hat nicht nur selbst den Klavierauszug sowie ein vierh\u00e4ndiges Arrangement der Orchesterpartitur geschrieben, sondern das Klavier war auch Ausgangspunkt und klangliche Urzelle der Komposition. Der Pianist Brahms hatte n\u00e4mlich bereits Mitte der 1850er Jahre eine (sp\u00e4ter verworfene) Sonate f\u00fcr zwei Klaviere konzipiert. Deren langsames Scherzo, eine Sarabande als Trauermarsch im schreitenden Dreiertakt, fand Eingang in das Deutsche Requiem als dessen zweiter Satz, dem Chorst\u00fcck \u00bbDenn alles Fleisch, es ist wie Gras\u00ab im Charakter \u203alangsam, marschm\u00e4\u00dfig\u2039.<\/p>\n<p>Ablauf und Charakter einer lateinischen Totenmesse sind in der katholischen Liturgie streng ritualisiert. In Absetzung hiervon hatte der Protestant Brahms die Texte seines Requiems \u00bbnach Worten der heiligen Schrift\u00ab selbst aus dem Alten und Neuen Testament ausgesucht und zusammengestellt. Brahms war ein eminenter Kenner der Bibel; als typischer wilhelminisch-norddeutscher Kulturprotestant des ausgehenden 19. Jahrhunderts wahrte er dabei aber Distanz zur Kirche und aller Dogmatik.<\/p>\n<p>Brahms\u2019 Freund Rudolf von der Leyen schreibt in seinen Erinnerungen: \u00bbWir sprachen bei einer Gelegenheit \u00fcber Robert Schumann, Brahms\u2019 gr\u00f6\u00dften und meistgeliebten Freund, und zwar von der traurigen Zeit seiner Krankheit in Endenich. Brahms erz\u00e4hlte mir, Schumann habe da nach der Bibel verlangt und dieser Wunsch sei von seinen \u00c4rzten als neues Symptom seiner geistigen Erkrankung aufgefasst und zun\u00e4chst abgeschlagen worden. Die Leute wussten eben nicht, sagte Brahms, dass wir Norddeutschen jeden Tag nach der Bibel verlangen und keinen Tag ohne sie vergehen lassen. In meinem Studierzimmer greife ich auch im Dunkeln meine Bibel gleich heraus!\u00ab<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt seiner pers\u00f6nlichen Glaubens\u00e4u\u00dferung stehen f\u00fcr Brahms nicht die Toten mit dem Gedenken und den Bitten um die ewige Ruhe, sondern er komponierte seine \u00bbTrauermusik als Seeligpreisung der Leidtragenden\u00ab, wie er an den Freund Karl Reinthaler schrieb, der als Bremer Domorganist Mitwirkender bei der dortigen Erstauff\u00fchrung am Karfreitag des Jahres 1868 war.<\/p>\n<p>Und auf die Bedenken des studierten Theologen Reinthaler (\u00bbEs fehlt aber f\u00fcr das christliche Bewusstsein der Punkt, um den sich alles dreht, n\u00e4mlich der Erl\u00f6sungstod des Herrn.\u00ab) erwidert der Komponist: \u00bbWas den Text betrifft, will ich bekennen, dass ich recht gern auch das \u203aDeutsche\u2039 fortlie\u00dfe und einfach den \u203aMenschen\u2039 setzte \u2026 \u00ab. Brahms geht es also nicht um eine theologisch abgesicherte und christlich tradierte Darstellungsweise vom Tod als Erl\u00f6sung und Transzendenz oder den im lateinischen Requiem enthaltenen mahnenden und durchaus bedrohlichen Bildern des J\u00fcngsten Gerichts. Brahms\u2019 Anliegen ist vielmehr eine tr\u00f6stliche Botschaft an die Hinterbliebenen, in einer individuellen Sichtweise von entgrenzender Humanit\u00e4t und \u00fcber alle Einengungen von Konfession und Sprache hinweg.<\/p>\n<p>Die Allgemeing\u00fcltigkeit des musikalischen und geistigen Anliegens von Johannes Brahms liegt in seiner nachvollziehbaren Glaubhaftigkeit, denn die Seelentr\u00f6stung, die das Requiem vermittelt, entspringt der eigenen Seelennot: Brahms ist unbehaust, geographisch wie seelisch. Zur Zeit der Requiem-Komposition ist er st\u00e4ndig auf Reisen, nicht mehr in seiner Geburtsstadt Hamburg zu Hause (wo man ihm die erhoffte Stelle als Musikdirektor verweigert hatte) und noch nicht in Wien ans\u00e4ssig (wo er, ein wohlhabender Mann, sp\u00e4ter bis zu seinem Tod als Untermieter wohnen sollte).<\/p>\n<p>Die selbstgew\u00e4hlte Bindungslosigkeit erstreckte sich auch auf den privatesten Bereich: Dass Brahms, der Frauenfreund, meinte, zur Ehe nicht zu taugen, lag wohl an der Angst um seine Produktivit\u00e4t, die er in b\u00fcrgerlich geordneten Verh\u00e4ltnissen gef\u00e4hrdet glaubte. Und wenn Brahms im Requiem klagt \u00bbDenn wir haben hie keine bleibende Statt\u00ab und musikalisch verkl\u00e4rt singt \u00bbWie lieblich sind Deine Wohnungen, Herr Zebaoth!\u00ab, so ist dies die Kompensation eines Zustands von Heimatlosigkeit, wie Brahms ihn in tiefster Seelennot an Clara Schumann beschreibt: \u00bbIch bin kein Kosmopolit, sondern h\u00e4nge, wie an einer Mutter, an meiner Vaterstadt. [\u2026] Wie selten findet sich f\u00fcr unsereinen eine bleibende St\u00e4tte, wie gerne h\u00e4tte ich sie in der Vaterstadt gefunden. [\u2026] Du hast an Deinem Mann erlebt und wei\u00dft es \u00fcberhaupt, dass sie uns am liebsten ganz loslassen und allein in der leeren Welt herumfliegen lassen. Und doch m\u00f6chte man gebunden sein und erwerben, was das Leben zum Leben macht, und \u00e4ngstigt sich vor der Einsamkeit.\u00ab Eben dies macht das Deutsche Requiem zu einem von Brahms\u2019 innigsten Werken: Die Tr\u00f6stungen erfleht Brahms auch f\u00fcr sich, denn er selbst ist einer derer, \u00bbdie da Leid tragen\u00ab.<\/p>\n<p>Michael Schwalb<\/p>\n<\/div>\n<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Programm:<\/p>\n<div id=\"tracks\">\n<p><b>Ein deutsches Requiem<\/b>\u00a0op. 45 (1857\u20131868)<br \/>\nVersion for two pianos and kettle drums<br \/>\nArranged by Heinrich Poos<\/p>\n<p>[01] 10:48 I Selig sind, die da Leid tragen<br \/>\n[02] 12:40 II Denn alles Fleisch, es ist wie Gras<br \/>\n<span id=\"flash1\"><\/span><\/p>\n<p>[03] 08:59 III Herr, lehre doch mich<br \/>\n[04] 05:43 IV Wie lieblich sind deine Wohnungen<br \/>\n[05] 06:24 V Ihr habt nun Traurigkeit<br \/>\n<span id=\"flash2\"><\/span><\/p>\n<p>[06] 11:05 VI Denn wir haben hie keine bleibende Statt<br \/>\n[07] 09:44 VII Selig sind die Toten<\/p>\n<p><b>total time 65:25<\/b><\/p>\n<p><b><a class=\"arcoma_glossarylink\" href=\"https:\/\/neos-music.com\/output.php?content=Kuenstler\/WDR_Rundfunkchor_Koeln.php&amp;treplace=english%2Cgerman\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">WDR Rundfunkchor K\u00f6ln<\/a><br \/>\nSimone Nold<\/b>, soprano<br \/>\n<b>Kay Stiefermann<\/b>, baritone<br \/>\n<b>Ian Pace and Mark Knoop<\/b>, piano<br \/>\n<b>Peter Stracke<\/b>, kettle drums<br \/>\n<b><a class=\"arcoma_glossarylink\" href=\"https:\/\/neos-music.com\/output.php?content=Kuenstler\/Rupert_Huber.php&amp;treplace=english%2Cgerman\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">Rupert Huber<\/a><\/b>, conductor<\/p>\n<\/div>\n<p>Pressestimmen:<\/p>\n<div id=\"press\">\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/opera_actual.jpg?ssl=1\" \/><br \/>\n01.07.2009<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/neos.opera-actual.-2-%28july-.jpg?ssl=1\" \/><\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/logo%20Badische%20Zeitung.jpg?ssl=1\" \/><br \/>\n28.02.2009<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/30803_Badische_Zeitung.jpg?ssl=1\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/piano_news_logo.gif?ssl=1\" \/><br \/>\n1\/2009<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/neos-music.com\/images\/news\/30803_PianoNews_0109.jpg?ssl=1\" \/><\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Infotext: \u00bbTRAUERMUSIK ALS SEELIGPREISUNG DER LEIDTRAGENDEN\u00ab Die hier zu Geh\u00f6r kommende Klanggestalt rekonstruiert die Urform von Johannes Brahms\u2019 Deutschem Requiem vor dessen Siegeszug in chorsymphonischer Klangmacht. 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