Giacinto Scelsi, Isang Yun, Iannis Xenakis, Manfred Stahnke, Hans Werner Henze, Bent Lorenzen: music for double bass

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Artikelnummer: NEOS 11018 Kategorie:
Veröffentlicht am: Januar 10, 2010

Programm:

music for double bass

Giacinto Scelsi (1905–1988)
Nuits (1972) 09:41
[01] C’est bien la nuit 03:24
[02] Le réveil profond 06:17

Isang Yun (1917–1995)
[03] Für Aki I (1981) 00:54
[04] Für Aki II (1981) 01:01

Iannis Xenakis (1922–2001)
[05] Theraps (1976) 14:40

Manfred Stahnke (*1951)
[06] Streetmusic III (1995) 08:00

dedicated to Frank Reinecke

Hans Werner Henze (*1926)
[07] S. Biagio 9 Agosto ore 1207 (1977) 08:37

Ricordo per un contrabbasso solo

Bent Lorentzen (*1935)
[08] Tiefe (1993) 09:37

dedicated to Frank Reinecke

       total time 52:36

Frank Reinecke, double bass

Pressestimmen:


19.04.2010

Frank Reinecke spielt
Musik für Kontrabass solo

Geiger, Cellisten, ja sogar Bratschisten haben das Glück, auf einen reichen Fundus solistischer Meisterwerke für ihr Streichinstrument zurückgreifen zu können; anders die Kontrabassisten. Während die wenigen Virtuosenkonzerte, die ihnen in Vorklassik und Romantik zugedachten worden sind, meist Züge des Kuriosen tragen und an gewichtigen Solowerken absoluter Mangel herrscht, kommt ihrem Ordinario-Spiel – von der Continuo-Praxis bis hin zur großen Symphonik – die tragende und damit gleichsam dienende Funktion des Fundamentalen zu.

Erst Komponisten unserer Tage haben das eigenständige musikalische Potenzial des Kontrabasses entdeckt: Es ist riesig. Wieder einmal tritt Frank Reinecke den Beweis für diese These an. Mit seiner neuen, gerade beim Label NEOS erschienenen Solo-CD hat sich der in Hamburg geborene Musiker (Mitglied des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks sowie international geschätzter Kammermusiker und Solist) endgültig im überschaubaren Kreis der Spitzenkontrabassisten etabliert.

Packend und klangintensiv
Der packend, klangintensiv und gestisch reich musizierende Künstler hat ein dramaturgisch bezwingend komponiertes Programm mit Werken von sechs verschiedenen Tonsetzern eingespielt. Es hebt an mit den beiden 1972 entstandenen Miniaturen „Nuits“ von Giacinto Scelsi (schroff bebende Klangerkundung hinter den Schleiern aus schwarzer Materie; ahnungsvolles Schweben zu fahlen Leuchtfeuern am Rande des Universums). Und es schließt mit dem Stück Tiefe aus der Feder des Dänischen Komponisten Bent Lorentzen (zwischen Phasen des Wanderns immer wieder das tiefe Loten im Geschiebe tellurischer Kräfte zwischen  Styx und Vulkan), das 1993 entstanden und Frank Reinecke gewidmet ist. Isang Yun ist mit zwei liebenswerten Aphorismen vertreten: „Aki I“ und „Aki II“ – liedhafte Gebilde für den Sohn eines Freundes, der maßgeblich dazu beigetragen hatte, dass der 1967 vom südkoreanischen Geheimdienst verschleppte Komponist schließlich hatte wieder nach Deutschland zurückkehren können.

Suche nach der verlorenen Zeit
Hans Werner Henze nannte seinen 1977 entstandenen Ricordo per un contrabbasso solo „S. Biagio 9 Agosto ore 1207“: In balladeskem Ton eine Suche nach der verlorenen Zeit. Von eher jazzoidem Charakter und mikrotonal raffiniert gewürzt die Pizzicato-Studie „Streetmusic III“, die Manfred Stahnke 1995 für Frank Reinecke geschrieben hat: Quasi selbstverloren dem Groove des eigenen Spiels sich überlassend, muss der Interpret über weite Strecken im Unisono mitsingen – als Grüsse von fern Bobby McFerrin.

Erhabenes Bergmassiv
Im Zentrum des Programms freilich steht das Werk „Theraps“ von Iannis Xenakis: Musik, die unter Mobilisierung aller Kräfte und unter Schmerzen durchmessen und erobert werden will wie ein erhabenes Bergmassiv. Mit eisenharter Konsequenz stellt sich Frank Reinecke den schier unbezwingbaren Herausforderungen. Er folgt mikrointervallisch sich windenden Skalengängen, wühlt in bebenden Klang-Geräusch-Gemengen und findet nach zweistimmigen, teils gegenläufigen Glissandopassagen und immer wieder jäh hereinbrechenden Akzentkaskaden Wege durch Zonen fiebriger Erlösungsphantasmagorien.

Feiner Hauch und eruptives Ereignis
Aufnahmen von unglaublicher klanglicher Präsenz sind da geglückt. Vom feinsten Hauch bis zum eruptiven Ereignis: Hören verwandelt sich hier zum Beteiligt-Sein.

Helmut Rohm


14.04.2010

Quantensprung

Vor allem wegen einer Komposition sollte die vorliegende CD ‚music for double bass‘, eingespielt vom Kontrabassisten des BR-Symphonieorchesters, Frank Reinecke, in keiner guten CD-Sammlung fehlen. ‚Theraps’, was man ungefähr mit ‚Erhebung in einen höheren Bewusstseinzustand’ übersetzen könnte, war, 1976 von Iannis Xenakis vollendet, ein Quantensprung in der Literatur für Solokontrabass. ,Man lebt intensiver, wenn man sich mit Scharen von Problem herumschlagen muss’, wird der Komponist im Booklet in Anspielung auf die technischen Schwierigkeiten der Komposition für den Interpreten zitiert. Und ganz intensiv ist die Interpretation Frank Reineckes – er betont die dynamischen Kontraste, betont die Gegensätze in den zweistimmigen Glissandi und in den schwebenden Doppelflageoletts, zeichnet rau und geräuschhaft nicht nur die Fortissimo-Rhythmen, mit denen die Komposition beginnt und endet, bringt die Klangschönheiten zum Leuchten. ‚Theraps’ ist eine der besten Kompositionen für Solokontrabass, ja, eines der spannendsten Werke der zeitgenössischen Musik überhaupt, und man kann das Stück in der Interpretation von Frank Reinecke nicht oft genug anhören. Es ist fast ein wenig, als würden die Möglichkeiten des Kontrabasses als Soloinstrument erst mit diesem Werk ausgelotet werden.

Grau in grau

Die anderen Stücke der CD, obwohl bis auf Scelsis ‚Nuits’ nach ‚Theraps’ geschrieben, haben den Quantensprung nicht mitgemacht und bleiben im Vergleich zu ‚Theraps’ eher blass. Sie erreichen werden die Spannung, noch die Klangschönheit, noch den Ideenreichtum von Xenakis‘ Solostück. Da fehlt es an jeglicher Intensität, wie in Isang Yuns ‚Für Aki I’ und ‚Für Aki II’ (1981). Da fehlt jeglicher Mut zu innovativen Klängen in Hans Werner Henzes ‚S. Biago 9 Agosto ore 1207’. Weder gelangen Bent Lorentzen mit ‚Tiefe’ (1993) noch Manfred Stahnke mit seinem jazzigen ‚Streetmusic III’ (1995) fesselnde, schillernde Kompositionen. Man kann diese Werke durchaus anhören, sie heben die Stärken von ‚Theraps’ nur um so mehr hervor. Die einzige Komposition, die sich noch aus der grauen Masse abhebt, ist Giacinto Scelsis ‚Nuit’ – ein typisches von den Klängen her gedachtes Scelsi-Stück. Auch wegen dieser Einspielung ist die CD lohnend. Zu loben ist noch die ansprechende Gestaltung von Cover und Booklet, bei der unter anderem auch Fotographien von Reinecke selbst verwendet wurden.

Patrick Beck

Interpretation: 
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:

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