Robert M. Helmschrott: 12 Sonate da chiesa

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1 CD

Verfügbar ab dem Februar 26, 2026 um 12:00 a.m.
Artikelnummer: NEOS 12534-35 Kategorie:
Veröffentlicht am: Februar 11, 2026

Mit den „12 Sonate da chiesa“ (12 Kirchensonaten) legt Robert M. Helmschrott ein zentrales Werk seines Schaffens vor – entstanden zwischen 1984 und 1994. Der Zyklus ist weit mehr als eine Hommage an eine historische Gattung: Er ist ein künstlerisches Bekenntnis zur spirituellen Kraft der Musik und zu ihrer verbindenden Wirkung über Zeiten, Kulturen und Religionen hinweg.

Der traditionsreiche Begriff der „Sonata da chiesa“ verweist auf die barocke Kirchensonate des 17. und 18. Jahrhunderts. Helmschrott greift diese Bezeichnung bewusst auf – nicht als historistisches Zitat, sondern als Ausgangspunkt für eine schöpferische Auseinandersetzung mit der Musikgeschichte. Die Satzüberschriften – von Alleluja, Psalmos, Antifona und Jubilus über Nomos, Hymnos, Elegie bis hin zu Motetus oder Aria – öffnen einen weiten Horizont: vom jüdisch-alttestamentarischen Gesang über die griechisch-römische Antike und das christliche Mittelalter bis in die Neuzeit. Der mediterrane Kulturraum bildet dabei die geistige Klammer des Zyklus.

Helmschrott versteht „religiöse Musik“ nicht konfessionell verengt, sondern als Ausdruck einer humanistischen Haltung. Jüdische, christliche und implizit auch islamische Traditionen werden in einem Geist der Nächstenliebe und des Dialogs miteinander verschränkt. Die Musik wird so zum Ort der Verständigung – getragen von Vernunft, Offenheit und dem Glauben an die verbindende Kraft der Liebe.

Formal folgen alle Sonaten dem zweiteiligen Modell langsam–schnell, das bereits die späte barocke Kirchensonate prägte. Die langsamen Sätze entfalten meditative, kontemplative Räume; die schnellen Finali reichen von tänzerischer Bewegtheit bis zu jubelnder Ekstase. Der konzertierende Dialog zwischen Orgel und wechselnden Melodieinstrumenten bestimmt den Charakter: kontrastreiche Passagen, intime Zwiegespräche, asymmetrische Konstellationen und bisweilen der spannungsvolle Monolog eines einzelnen Instruments schaffen eine vielgestaltige Dramaturgie.

Auch die Architektur des Gesamtwerks folgt einer symbolischen Ordnung. Die Zahl Zwölf – Produkt der „vollkommenen“ Zahlen Drei und Vier – durchzieht die Kulturgeschichte von Mythos und Mystik bis zur Dodekaphonie. Entsprechend gruppieren sich die Sonaten in vier Dreiergruppen, jeweils zwei Duos und ein Trio; die abschließende Sonata XII steigert die Besetzung auf sieben Instrumente und bildet den klanglichen Höhepunkt des Zyklus.

Das klangliche Fundament bildet Helmschrotts eigens entwickelter „Modus H“, eine achtstufige Skala, die an Olivier Messiaens Modi begrenzter Transponierbarkeit erinnert, jedoch eigenständig weitergedacht ist. Durch die Verbindung von Kirchentonarten, Dur-Moll-System, chromatischer Totalität und serieller Denkweise entsteht eine Tonsprache von großer Farbigkeit: dichte, dissonanzreiche Akkorde bis hin zu Clustern stehen neben leuchtend konsonanten Klangflächen. Trotz dieser Vielfalt bleibt die musikalische Sprache geschlossen und organisch – jede melodische und harmonische Bewegung ist konstruktiv aufeinander bezogen.

In der zwölften Sonate setzt Helmschrott ein bewusstes Zeichen: Er integriert Passagen aus Orlando di Lassos Motette Timor et tremor. Dieses Zitat ist kein nostalgischer Rückblick, sondern strukturell und geistig motiviert – die kleine Terz als zentrales Intervall verbindet Renaissance und Gegenwart. Aus dem existenziellen „Zittern und Zagen“ des ersten Satzes führt der Weg zu einem bekenntnishaften „Non confundar“ im strahlenden Fortissimo – ein musikalisches Zeichen von Vertrauen und Hoffnung.

Robert M. Helmschrott (*1938), vielfach ausgezeichneter Komponist, Gründer der „Erdinger Orgelwoche“ und der Münchner Konzertreihe „Musica Sacra Viva“, war Professor und Präsident der Hochschule für Musik und Theater München. Die „12 Sonate da chiesa“ sind eine Summa seines Denkens: traditionsbewusst und zugleich gegenwärtig, spirituell verwurzelt und dialogisch offen, konstruktiv durchdrungen und von expressiver Unmittelbarkeit.

Dieses Album lädt dazu ein, sakrale Musik neu zu hören – als lebendige Gegenwart einer jahrtausendealten kulturellen Erinnerung und als klingende Vision von Einheit in Vielfalt.

Programm

Robert M. Helmschrott (*1938)
12 SONATE DA CHIESA
12 Kirchensonaten · 12 Church Sonatas
für Orgel und weitere Instrumente (1984–1994)

 

CD 1
Gesamtzeit: 79:27

Sonata da chiesa I für Posaune und Orgel (1984)
Abbie Conant, Posaune
Klemens Schnorr, Orgel

Sonata da chiesa II für Oboe und Orgel (1985)
Michael Helmrath, Oboe
Klemens Schnorr, Orgel

Sonata da chiesa III für zwei Trompeten und Orgel (1985)
Hannes Läubin / Christian Höcherl, Trompeten
Elisabeth Zawadke, Orgel

Sonata da chiesa IV für Trompete und Orgel (1985)
Jean-François Michel, Trompete
Klemens Schnorr, Orgel

Sonata da chiesa V für Flöte und Orgel (1988)
Claire Genewein, Flöte
Harald Feller, Orgel

Sonata da chiesa VI für Trompete, Posaune und Orgel (1986)
Hannes Läublin, Trompete
Hansjörg Profanter, Posaune
Klemens Schnorr, Orgel

Sonata da chiesa VII für Violoncello und Orgel (1991) Teil I
Rainer Ginzel, Violoncello
Martha Schuster, Orgel

 

CD 2
Gesamtzeit: 79:49

Sonata da chiesa VII für Violoncello und Orgel (1991) Teil II
Rainer Ginzel, Violoncello
Martha Schuster, Orgel

Sonata da chiesa VIII für Violine und Orgel (1990)
Ana Chumachenco, Violine
Edgar Krapp, Orgel

Sonata da chiesa IX für Violine, Violoncello und Orgel (1991)
Yuko Inagaki-Nothas, Violine
Walter Nothas, Violoncello
Robert M. Helmschrott, Orgel

Sonata da chiesa X für Klarinette und Orgel (1991)
Ulf Rodenhäuser, Klarinette
Gerhardt Blum, Orgel

Sonata da chiesa XI für Horn und Orgel (1993)
Wolfgang Gaag, Horn
Ulrich Knörr, Orgel

Sonata da chiesa XII für drei Trompeten, drei Posaunen und Orgel (1994)
Hannes Läublin / Christian Höcherl / Quirin Willert, Trompeten
Wolfram Arndt / Tobias Greismann / Bruno Feldkircher, Posaunen
Elisabeth Zawadke, Orgel

Biografien

Robert Maximilian Helmschrott (*1938) studierte an der Hochschule für Musik in München. 1967 Gründung der »Erdinger Orgelwoche. Stipendiat der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom (1967–1969) sowie Stipendiat der Cité des Arts in Paris (1975). Kompositionsstudien bei Goffredo Petrassi in Siena und bei Luigi Dallapiccola in Florenz, schon 1955 Studien bei Pierre Froidebise in Liège (Belgien) und 1961 bei Fritz Büchtger in München. Mehrere nationale und internationale Kompositionspreise. 1979 Gründung der Konzertreihe »Musica Sacra Viva«, geistliche Musik in Münchner Kirchen. Professor, Vizepräsident (1992–1995) und Präsident (1995–2003) an der Hochschule für Musik und Theater München. 1980 Bundesverdienstkreuz; 2007 Verleihung des Freundeszeichens der Katholischen Akademie in Bayern; 2014 Kulturpreis der Stadt Weilheim.

Infos

Katalognummer: NEOS 12534-25

EAN: 4260063125348

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