Mit BETTER ME präsentieren Vanessa Porter und Emil Kuyumcuyan ein außergewöhnliches Duo-Album, das sich zwischen zeitgenössischer Komposition, elektronischer Klangkunst und performativer Energie bewegt. Sämtliche Werke wurden eigens für dieses Projekt entwickelt und entfalten sich als zu-sammenhängender Klangkosmos, in dem präzise Struktur und spontane Freiheit gleichberechtigt nebeneinanderstehen.
Im Zentrum steht ein erweitertes Verständnis von Perkussion: Geräusche, Resonanzen und Impulse werden ebenso bedeutend wie Harmonie, Melodie und Rhythmus. In Verbindung mit Elektronik entsteht ein vielschichtiges Klangbild, das zwischen archaischer Direktheit und filigraner Fragilität changiert. Die Elektronik fungiert dabei nicht als Ergänzung, sondern als gleichwertiger musikalischer Partner.
Ein prägendes Element des Albums ist das Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Offenheit. Komponierte Passagen gehen nahtlos in improvisatorische Räume über, in denen Entscheidun-gen im Moment entstehen. So wird das Hören selbst zum Prozess – geprägt von Bewegung, Verdichtung und Auflösung.
Die einzelnen Stücke eröffnen unterschiedliche Perspektiven dieses Spektrums: von dichten elektronischen Texturen und pulsierenden, von IDM beeinflussten Strukturen bis hin zu rein akustischen Klanglandschaften, die mit ungewöhnlichen Materialien arbeiten. Melodische Momente treffen auf rohe Energie, repetitive Muster auf fragile Klangflächen. Immer wieder entste-hen neue Räume – akustisch, emotional und assoziativ.
Trotz seiner engen Verbindung zu performativen Elementen steht BETTER ME als eigenständiges Hörerlebnis. Das Album lädt dazu ein, sich in Details zu vertiefen und zugleich größere klangliche Bewegungen wahrzunehmen. Übergänge sind fließend, Kontraste bewusst gesetzt und wieder aufgehoben – wie einzelne Tropfen, die erst im Zusammenspiel ihr Ganzes offenbaren.
Inhaltlich spiegelt das Projekt zentrale Fragen unserer Zeit: den Wunsch nach Selbstbestimmung, Identität und Sichtbarkeit. BETTER ME bleibt dabei bewusst offen – als Musik im Werden, zwischen akustischer Körperlichkeit und elektronischer Erweiterung, zwischen Gegenwart und Möglichkeit.
Programm
Vanessa Porter & Emil Kuyumcuyan
[01] IT IS NOT WHAT IT LOOKS LIKE (2024)
Klangobjekte (u. a. Uhr, Spring Drum, Wahwah-Tube), Klavier & Elektronik
Text: Rafael Ossami Saidy
[02] CALLS (2024)
Röhrenglocken, Schlagzeug, Maracas & Elektronik
[03] TRIALS (2024)
Marimba, Vibraphon & Elektronik
Vanessa Porter & Emil Kuyumcuyan
[04] FRICTIONS (2024)
Klangobjekte (u. a. Spray, Steine, Triangeln, Reibepapiere, Styropor)
[05] LAST DUTY II (2023)
Zwei Drumsets, Toy Piano, verstärkter Zither & Toy Glockenspiel
[06] YOUR STORIES Version für Percussion-Duo und Elektronik (2023)
Marimba, Vibraphon & Elektronik
[07] OFFERING (2025)
Toy Pianos & Elektronik
[08] YES IT IS (2024)
Zwei Drumsets, Trigger & Elektronik
Vanessa Porter & Emil Kuyumcuyan Schlagzeug und Elektronik
Sarah Palarczyk Stimme [01]
Biografien
Vanessa Porter gilt international als eine der vielseitigsten Perkussionistinnen ihrer Generation und wird regelmäßig für verschiedenste Projekte, Konzertformate und Programme angefragt. Als Solistin verbindet sie zeitgenössische Werke mit Improvisation, Elektronik und darstellender Kunst und schafft hochkonzentrierte, beeindruckende Klangräume.
Neben der direkten Auseinandersetzung mit dem Instrumentarium ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit, neue Programme zu entwickeln, sowohl als Solistin als auch in Zusammenarbeit mit Künstler:innen verschiedener Disziplinen. Dabei legt sie großen Wert auf ein ganzheitliches Konzerterlebnis und versucht ihre Arbeit prinzipiell in einen gesellschaftlichen Kontext zu stellen.
Vanessa Porter arbeitet mit namhaften Komponist:innen zusammen, darunter Georges Aperghis, Rebecca Saunders, Jennifer Walshe, Marta Gentilucci, Simon Steen-Andersen, Benjamin Scheuer, Alva Noto, Francesca Verunelli, Samir Odeh-Tamimi und viele mehr.
Neben Gastspielen bei internationalen Ensembles wie dem Ensemble Modern und Les Percussions de Strasbourg ist Vanessa seit 2025 Mitglied bei Ensemble Ascolta. Als Solo- und Kammermusikerin gastiert sie u. a. bei den Wittener Tage für neue Kammermusik, beim ECLAT Festival Stuttgart und den Donaueschinger Musiktagen und ist Solistin beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, dem WDR Sinfonieorchester oder der Staatskapelle Halle.
Sie präsentiert ihre Soloprogramme in der Elbphilharmonie Hamburg, der Kölner Philharmonie, der Philharmonie de Paris, dem Concertgebouw Amsterdam, dem Barbican Centre London, dem Megaron in Athen und vielen mehr. Zu ihren Solo-Programmen zählen folie à deux, cycle.sound.color, DUST sowie Programme mit Tanz, Video und Live-Elektronik.
Neben internationalen Meisterkursen ist Vanessa seit 2024 Professorin für Schlagzeug an der Hochschule für Musik Karlsruhe.
Emil Kuyumcuyan (kuːjuːmdʒuːjɑːn) ist Schlagzeuger, Komponist und elektronischer Musiker mit kroatischen, griechischen, armenischen und afrikanischen Wurzeln.
Der in Istanbul geborene Künstler gewann den 1. Preis beim TROMP International Percussion Competition und trat weltweit in renommierten Sälen auf, u. a. als Solist mit dem Daegu Symphony Orchestra, dem Chœur de Radio France, dem Asko|Schönberg Ensemble und der Staatskapelle Halle. Er improvisiert, komponiert und interpretiert, sucht den Dialog mit anderen Kunstformen und entwickelt eigene künstlerische Formate.
Emil Kuyumcuyans kompositorische Arbeit verbindet zeitgenössische Klassik, Jazz und anatolische Musiktraditionen. Kompositionsaufträge erhielt er u. a. von der Kölner Philharmonie (KölnMusik), der Kunststiftung Baden-Württemberg, den Montforter Zwischentönen, SKAM, der Stuttgart Marimba Competition und der IPEA Shanghai. Seine Kompositionen werden weltweit in renommierten Sälen und bei Festivals aufgeführt. Ein besonderer Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit liegt auf interdisziplinären Formaten und der Verbindung verschiedener Kunstformen. Mit ISTANBUL | the roots realisierte er seine erste audiovisuelle Arbeit. Passacaglia verbindet Bachs Musik mit eigenen Kompositionen, BETTER ME verknüpft akustisches Schlagwerk, Visuals und Elektronik.
Parallel produziert er elektronische Musik zwischen IDM und Drum & Bass und veröffentlichte mehrere EPs. Emil Kuyumcuyan ist Mitglied von Les Percussions de Strasbourg und Trio KDM und arbeitet regelmäßig mit führenden Ensembles und Künstler:innen zusammen, u. a. mit dem Ensemble intercontemporain, Ensemble Modern, dem Boulez Ensemble, Ensemble Ascolta, Slagwerk Den Haag, Ryōji Ikeda, Alexander Schubert, Bastien David und Martin Matalon.
Er gibt weltweit Meisterkurse und ist seit Oktober 2023 Professor für Schlagzeug an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt
Infos
Katalognummer: NEOS 12606
EAN: 4260063126062