Eres Holz: DEATH

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1 CD

Artikelnummer: NEOS 12431 Kategorie: Schlagwort:
Veröffentlicht am: Oktober 23, 2024

Die auf dieser CD versammelten Werke von Eres Holz sind in Zeiten von Krieg, politischer Gewalt und gesellschaftlicher Verhärtung entstanden. Sie kreisen um die langfristigen Folgen von Zerstörung: um Trauma, Schuld, Isolation und um die fragile Möglichkeit von Empathie. Der Mensch erscheint dabei zugleich als fähig zu extremer Gewalt und als hochsensibles Wesen, dessen Verletzlichkeit Schutz und Aufmerksamkeit verlangt. Die Musik sucht keinen moralischen Schlussstrich, sondern macht Erfahrungsräume hörbar, die sich rationaler Erklärung entziehen.

Im Zentrum steht das vom Deutschlandfunk in Auftrag gegebene Werk Ein Mensch erkennt, dass er nie Mensch war für Ensemble, Elektronik und Textprojektion. Ausgangspunkt ist Svenja Goltermanns Studie Die Gesellschaft der Überlebenden über deutsche Kriegsheimkehrer des Zweiten Weltkriegs und deren Gewalterfahrungen. Die Komposition folgt Aussagen von Betroffenen, die nicht aus alltäglicher Kommunikation stammen, sondern aus psychiatrischen Gesprächsprotokollen. Sie markieren Stationen von Depression, Sinnverlust, Entfremdung und schmerzhafter Selbsterkenntnis. Holz nähert sich diesem Material bewusst aus einer anderen Perspektive: als Jude, Israeli und Sohn einer Holocaust-Überlebenden. Sein Interesse gilt dem Verstehen von Gewaltmechanismen – nicht der Rechtfertigung, sondern der Frage, wie Krieg Menschen deformiert und isoliert.

Noch unmittelbarer wird Gewalt in DEATH für zwei Bassklarinetten und Live-Elektronik erfahrbar. Die Solisten sind einem aggressiven elektronischen Klangraum ausgesetzt, an dessen Entstehung sie selbst beteiligt sind. Gewalt wird hier nicht reflektiert, sondern stellvertretend vollzogen und erlitten – auch das Publikum wird in diese Erfahrung hineingezogen. Die Bassklarinette entfaltet dabei ihr gesamtes Ausdrucksspektrum: von schrillem Alarm bis zur abgründigen Klage, verstärkt durch eruptive elektronische Klänge.

Mit MACH für Posaune und Elektronik thematisiert Holz schließlich existenzielle Einsamkeit. Der Zyklus entstand aus der Erfahrung gesellschaftlicher Isolation und verbindet instrumentenspezifische Virtuosität mit apokalyptischen Klangbildern. Am Ende bleibt allein die Elektronik zurück – der menschliche Klang verschwindet als Spur.

Dieses Album versteht sich als musikalischer Beitrag zu einer Kultur der Empathie – und als Erinnerung daran, dass Gewalt ihre Wirkung weit über den Moment ihres Geschehens hinaus entfaltet.

Programm

 

Eres Holz (*1977)

 

DEATH
für zwei Bassklarinetten, Live-Elektronik und Licht (2023)

[01] I

[02] II

[03] III

[04] IV

[05] V

 

MACH
für Posaune, Live-Elektronik (2020)

[06] strikt im Tempo, mit einem mysteriösen Charakter

[07] unheimlich, apokalyptisch

[08] schwebend

 

Ein Mensch erkennt, dass er nie Mensch war
für Ensemble, Textprojektion und Live-Elektronik (2023)
Auftragswerk des Deutschlandfunk

[09] »Am Anfang steht das Chaos!«

[10] »Furchtbar ist es des Nachts.«

[11] »Der Führer lebt noch!«

[12] »Ein Mensch erkennt, dass er nie Mensch war.«

 

Gesamtspielzeit: 70:53

 

Ingólfur Vilhjálmsson & Laurent Bruttin, Bassklarinetten

Florian Juncker, Posaune

Eres Holz, Elektronik

E-MEX Ensemble
Delphine Roche, Flöte
Joachim Striepens, Klarinette
Anja Schmiel, Oboe
Yoshiki Matsuura, Posaune
Michael Pattman, Schlagzeug
Martin von der Heydt, Klavier
Kalina Kolarova, Violine
Burkart Zeller, Violoncello
Petteri Waris, Akkordeon
Christoph Maria Wagner, Dirigent

 

Ersteinspielungen

Biografien

Der israelisch-deutsche Komponist Eres Holz wurde 1977 in Rechovot (nahe Tel Aviv) geboren. Von 1998 bis 2002 absolvierte er ein Bachelor-Studium im Fach Komposition bei Ruben Seroussi an der Universität Tel Aviv, gefördert durch ein Begabtenstipendium. Von 2004 bis 2012 folgte ein Diplom- und Masterstudium im Fach Komposition bei Hanspeter Kyburz sowie Computermusik bei Wolfgang Heiniger an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Dort wirkt er seit 2008 als Dozent im Fach Algorithmische Komposition und seit 2019 zudem als künstlerischer Projektleiter. Von 2011 bis 2012 war er künstlerischer Leiter im musikpädagogischen Projekt »Querklang«, ein Kooperationsprojekt der Universität der Künste Berlin in Zusammenarbeit mit MaerzMusik, dem Festival für zeitgenössische Musik. 2008 assistierte er bei dem vom IRCAM koordinierten Projekt »European Course for Musical Composition and Technologies« an der Technischen Universität Berlin.

Eres Holz erhält regelmäßig Stipendien, Aufträge und Preise. 2020 und 2021 wurden seine MACH-Kompositionen vom Musikfonds e.V. und von der GEMA gefördert. 2017 war er Composer in residence des Deutschlandfunks und der Kunst-Station Sankt Peter Köln. 2013, 2014 und 2015 erhielt er Stipendien des Berliner Senats. 2014 wurde seine Komposition Vier Schatten beim Carl von Ossietzky-Kompositionspreis ausgezeichnet. 2012 erhielt er das Aufenthaltsstipendium an der Cité Internationale des Arts in Paris und wurde für den Deutschen Musikautorenpreis in der Kategorie Nachwuchsförderung nominiert. In den Jahren 2005, 2008 und 2010 wurde er jeweils mit dem Hanns-Eisler-Preis ausgezeichnet. Seine Werke werden regelmäßig bei Festivals wie Ultraschall Berlin, Impuls (Graz), Forum neuer Musik (Köln) oder den JetztMusik-Konzerten des SWR von namhaften Interpreten aufgeführt und von Deutschlandfunk, RBB und anderen Radiosendern mitgeschnitten. Auf zahlreichen Fernseh- und Rundfunksendern liefen ausführliche Porträtsendungen.

Seit 2014 ist Eres Holz Mitglied bei der Akademie Deutscher Musikautoren; von 2015 bis 2018 war er Jurymitglied der »initiative neue musik berlin e.V.«; 2020 wurde er in die Jury des Senats von Berlin zur künstlerischen Förderung berufen.

Infos

Katalognummer: NEOS 12431

EAN: 4260063124310

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