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Franz Hummel, Ludwig van Beethoven: Diabelli Variations

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Artikelnummer: NEOS 20807/08 Kategorien: ,
Veröffentlicht am: April 22, 2009

Infotext:

Diabelli-Variationen
Franz Hummel – Ludwig van Beethoven

Die Kunst des Variierens galt in der Musikgeschichte von jeher als die höchste. Und dass Beethovens Genie darin von keinem anderen je übertroffen wurde, ist allgemein bekannt und akzeptiert. Wie kommt es aber dann, dass seinem interessantesten, größten und tiefsinnigsten Klavierwerk ein harmloses Walzerchen von Anton Diabelli zugrunde liegt, das Beethoven wegen einer ziemlich banalen Septakkord-Rückung spöttisch das ›Thema mit dem Schusterfleck‹ nannte? Lag ihm vielleicht daran zu zeigen, dass ein großer kreativer Geist sich an jeder Kleinigkeit entzünden kann? Dass die unscheinbarste musikalische Zelle von begeisterter improvisatorischer und kompositorischer Entwicklungsarbeit bis in die kühnste Weltdeutung hineingerissen werden kann?

Sicher ist, dass Beethovens gesamtes Spätwerk sich überwältigend deutlich in den Diabelli-Variationen spiegelt und dass jeder Kenner dieser Musik hingerissen ist von der Verwegenheit der Lösungen, vom Reichtum der Inspiration, vom Überschwang des Ausdrucks, der himmelschreienden Perfektion einfacher Lösungen und nicht zuletzt der pianistischen Virtuosität, die im wahrsten Sinne auf allen Ebenen von ›Virtus‹ begleitet ist. Was ficht einen modernen Komponisten an, der unter solchen Voraussetzungen mit einem ähnlich hohen Anspruch und vom Furor egozentrisch exegetischer Ausschweifung gejagt, das Sakrileg begeht, nochmals 33 Variationen über eben dieses ›Schusterfleck-Thema‹ zu komponieren, ohne sich bedroht zu fühlen?

– Der Glaube daran, dass alle Philosophie in der Luft liegt und man nur nach ihr zu greifen braucht, um sie in Musik zu bannen.
– Das Wissen um die tiefe Bedeutung des freien Falls in einem Spiel, das sich selbst verantwortet und den Komponierenden, obwohl er von seinen Zufällen rücksichtslos überwältigt worden ist, oft in Bewunderung vor dem eigenen Tun erstarren lässt.
– Schließlich die lustvolle Freiheit, keine Selbstdarstellung zugunsten der Karriere mehr betreiben zu müssen und alles festhalten zu können, wonach die frühen Prägungen sich sehnen.

Wenn ich also der kulturtragenden Menschheit solch aufrichtige Selbstbetrachtung schuldig zu sein glaube, um nicht von ihr gekreuzigt zu werden, so bin ich doch auch scheinheilig, denn diese Gattung hat mein Vertrauen nur marginal. Aber meine Diabelli-Variationen halte ich für etwas Besonderes und trotz profunder Kenntnis des Beethovenschen Werkes, das ich selbst spiele, für gänzlich vom Hauptwerk unabhängig. Sie sind bar jeder individuellen Positionierung, wahrhaft improvisatorisch ›aus der Luft gegriffen‹, frei von Geschmack, ohne Stil, künstlerisch absolut gewissenlos, überhaupt nicht ›modern‹, dadurch vielleicht aber modern, gänzlich meiner Alterspubertät geschuldet, in der Abfolge wild durcheinander gewürfelt, voller Stil zitierender Handgelenksübungen, die manch einen verstorbenen Kollegen am Gestus beteiligen und damit zum Ratespiel einladen.

Franz Hummel

 

Programm:

CD 1

Franz Hummel (*1939)
33 Veränderungen über einen Walzer von Anton Diabelli (2006–2007)

[01] Thema. Vivace und Variation 1 02:25

[02] Variation 2 Presto 01:21
[03] Variation 3 Adagio cantabile 02:45
[04] Variation 4 00:57
[05] Variation 5 Allegro entusiastico 01:16
[06] Variation 6 Con allegrezza 01:40
[07] Variation 7 Presto, quasi studio 01:20
[08] Variation 8 01:31
[09] Variation 9 Feroce 00:49
[10] Variation 10 00:46
[11] Variation 11 Adagio cantabile 02:31
[12] Variation 12 Presto 01:11
[13] Variation 13 Vivace 01:01
[14] Variation 14 Molto rubato, passionato, parlando 04:09

[15] Variation 15 01:12
[16] Variation 16 Allegro molto 01:25
[17] Variation 17 Ländler. Commodo 01:52
[18] Variation 18 Presto 00:55
[19] Variation 19 Feroce 01:12
[20] Variation 20 00:47
[21] Variation 21 Tempestoso 01:49
[22] Variation 22 Allegro con brio 00:58
[23] Variation 23 Intermezzo nostalgico. Largo 04:13

[24] Variation 24 Allegro molto 00:47
[25] Variation 25 Allegro 00:50
[26] Variation 26 01:59
[27] Variation 27 (Aria) Larghetto 02:39
[28] Variation 28 (Marcia funebre) 05:10

[29] Variation 29 (Toccata) 02:00
[30] Variation 30 Quasi Presto 01:23
[31] Variation 31 01:17
[32] Variation 32 Prestissimo 00:37
[33] Variation 33 02:20

total time: 57:09

CD 2

Ludwig van Beethoven (1770–1827)
33 Veränderungen über einen Walzer von Anton Diabelli (1819–1823)
op. 120 in C major

[01] Thema. Vivace und Variation I Alla Marcia maestoso 02:11

[02] Variation II Poco Allegro 00:51
[03] Variation III L’istesso tempo 01:24
[04] Variation IV Un poco più vivace 01:02
[05] Variation V Allegro vivace 00:56
[06] Variation VI Allegro ma non troppo e serioso 01:50

[07] Variation VII Un poco più allegro 01:18
[08] Variation VIII Poco vivace 01:18
[09] Variation IX Allegro pesante e risoluto 01:38
[10] Variation X Presto 00:38
[11] Variation XI Allegretto 01:10
[12] Variation XII Un poco più moto 00:50
[13] Variation XIII Vivace 01:12
[14] Variation XIV Grave e maestoso 03:22

[15] Variation XV Presto scherzando 00:37
[16] Variation XVI Allegro 01:01
[17] Variation XVII 01:03
[18] Variation XVIII Poco moderato 01:33
[19] Variation XIX Presto 00:55
[20] Variation XX Andante 02:25
[21] Variation XXI Allegro con brio 01:29
[22] Variation XXII Allegro molto (alla “Notte e giorno faticar” di Mozart) 00:53
[23] Variation XXIII Allegro assai 00:54
[24] Variation XXIV Fughetta. Andante 03:07

[25] Variation XXV Allegro 00:42
[26] Variation XXVI 01:01
[27] Variation XXVII Vivace 01:01
[28] Variation XXVIII Allegro 00:59
[29] Variation XXIX Adagio ma non troppo 01:08
[30] Variation XXX Andante, sempre cantabile 02:11
[31] Variation XXXI Largo, molto espressivo 03:48
[32] Variation XXXII Fuga. Allegro 02:58
[33] Variation XXXIII Tempo di Menuetto moderato (ma non tirarsi dietro) 03:04

total time; 50:27

Carmen Piazzini, piano

Pressestimmen:


02.01.2010


11/12.2009

33 Variations on a Waltz by Diabelli

Just as was the case with Beethoven himself (after he initially, angrily rejected Diabelli’s music), this quirky waltz, and especially Beethoven’s subsequent explosion of creativity, continues to bore into our imaginations. Franz Hummel, a German composer and pianist born in 1939, set his own blast of inspiration to paper in 2007. It is, primarily, an homage to Beethoven, beginning with precisely the same subject, having the same number of variations, and following the same sensible admixture of energetic, violent, playful, and contemplative selections (which, in turn, Beethoven followed from Bach, in his Goldberg Variations).

But Hummel is not imitative as a rule. He finds an adept balance of tribute and innovation, including nods to post-Beethoven masters. Hummel weaves elements of other composers into the mix without utilizing outright quotes; the skeleton of a Chopin etude is revealed, a ghost from Beethoven’s Eighth Symphony hovers, there is a suggestion of Brahms. Elsewhere, we hear boogie-woogie and jazzy improvisation. Hummel cannot hope to equal, let alone exceed the ever-stunning range of drama and emotion of the master, not to mention the sheer originality of his language. That he comes close to evoking that spirit, in his own voice, is a considerable accomplishment.

It might seem like a natural idea to include the Beethoven original side by side with the new work. The Argentinean pianist Carmen Piazzini plays the music of both composers with the requisite virtuosity and passion, without quite latching onto the mystery, playfulness, and wild energy that is evinced in the recordings of the Beethoven by Brendel, Peter Serkin, and Richter. It may have made sense for NEOS to produce this as a single disc with the Hummel only, on the assumption that nearly anyone with an interest in hearing it will already own at least one version of the Beethoven. This presentation, while not as economical, does make the comparison a bit more convenient, and we get the music from the same pianist, for whatever that is worth. In any case, the Hummel is fascinating and compelling, recommended especially to admirers of the Beethoven.

Peter Burwasser


18.11.09

Alte und neue Fingerbrecherchen

…Hier beteiligt sich Erika Haases Kollegin Carmen Piazzini, gleichfalls (Wahl-)Darmstädterin. Im luzid-bedachtsamen, immer wieder zu kontrolliert virtuoser Spielfreude auflaufenden Klavierstil lassen sie die gemeinsame Schule des schwedischen Pianisten Hans Leygraf erkennen. Auch Carmen Piazzini hat eine Doppel-CD mit markantem Programm vorgelegt. Ihre besondere Attraktion sind die Diabelli-Variationen – nun ja, die von Beethoven, aber sie werden sozusagen als 50-minütige Zugabe mitgeliefert und figurieren als Pendant zu den ganz neuen von Franz Hummel (dem Komponisten des König-Ludwig-Musicals), der sich das starke Stück erlaubte, das Beethoven´sche Hämmern und Klopfen an dem derb-jämmerlichen „Schusterfleck“ Diabellis in seiner Parade von ebenfalls 33 Kabinettstückchen mit teils fingerbrechender Akrobatik noch zu übertrumpfen. Beethovens seltsame Krönung des Zyklus mit einer (quasi altmodischen) Fuge und menuett-artiger Arie imitiert Hummel klugerweise nicht; sein Abschluss eines jazzoiden Teufelstanzes entspricht einer kompositorischen Haltung, die sich mehr mit Alleskönnerschaft als mit dialektischem Tiefsinn an Vergangenes erinnert.

Hans-Klaus Jungheinrich


III/IV/2009

22.04.09

Höllenfix
Franz Hummel spottet Beethoven mit brandneuen Diabelli-Variationen

Beethoven, so pariert Franz Hummel im Gespräch den Selbstvorwurf der Arroganz, sei nur 56 geworden, „und ich im Januar 70, also hat der mir gar nichts zu sagen“. Der „alte“ Beethoven war dank eines Walzerchens des Wiener Verlegers Diabelli mit monströsen 33 Klaviervariationen niedergekommen – der genial unverfrorene Hummel, früher Pianist, jetzt Komponist, immerhin des Ludwig-II-Musicals oder einer Gorbatschow-Oper, tut es ihm exakt nach. Behauptet, seine Diabelli-Variationen seien „frei von Geschmack, ohne Stil, gewissenlos, gänzlich meiner Alterspubertät geschuldet“. Die Argentinierin Carmen Piazzini spielt auf der Doppel-CD (Neos, 2009) souverän, virtuos und scharffingrig beides, den Beethoven-Zyklus und die brandneuen Variationen von Hummel, ebenfalls 33 an der Zahl, ein Kompendium lustvoller kompositorischer Selbstbehauptung von einstündiger Dauer. Das Hören wird zum Hörabenteuer, weil Hummel mit diabolischer Phantasie in der Musikgeschichte wildert. Er treibt es in Variation Nr.8 mit Beethovens achter Symphonie und in Nr.23 mit der Liszt-Sonate, er vergiftet Chopin-Etüdengranulat oder sucht lyrisch-philosophische Eskapaden. Hummel kombiniert auf echt beethovensch Tiefsinn, tobenden Humor, Chuzpe und Charisma. Frönt der Passagen-, Akkord- und Synkopenwut. Wer hat Angst vor solchen Verwirrspielen? Nicht mal Hummel selbst: „Ich muss nur noch mir selbst gefallen, und dafür reicht mein Narzissmus allemal.“ WOLFGANG SCHREIBER

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