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Nikolaus Brass: songlines

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Artikelnummer: NEOS 11021 Kategorien: ,
Veröffentlicht am: April 30, 2010

Infotext:

In wechselnden Stimmen und Strophen geht der Gesang aufwärts ins jubelnde Licht und hinab zu den Schatten. Helge Slaatto (Violine) löst Klaus-Peter Werani (Viola) ab, gibt das Wort wieder an ihn zurück und ergreift es noch einmal für ein kleines Duett mit Frank Reinecke (Kontrabass). Dann wiederum, und bis zum Ende, wird das Lied allein weitergesungen, von Erik Borgir (Violoncello) und zuletzt noch einmal vom Bassisten. In kurzen, sehr persönlichen Booklet-Notizen teilen uns die vier Interpreten mit, wie sie die von ihnen gespielte Musik erleben: als Fanfare, als reißenden Strom, als eine Ausfahrt auf See, in unbekannte Weiten. Als Auseinandersetzung mit unendlichem Schmerz. Und als Schimmer der Hoffnung auf ein Darüber-Hinaus, auf ein Leben nach dem Tod.

Programm:

Nikolaus Brass (*1949)

songlines (2006/2007)
for solo strings

[01] Prolog (2006) for viola solo 01:44

[02] songlines I (2006) for violin solo 12:38

[03] Intermission (2007) for viola solo 02:20

[04] songlines III (2007) for viola solo 23:16

[05] songlines IV (2006) for violin and double bass 12:18

[06] songlines V (2007) for violoncello solo 12:02

[07] Epilog (2007) for double bass solo 11:39

total time 76:32

Helge Slaatto, violin
Klaus-Peter Werani, viola
Erik Borgir, violoncello
Frank Reinecke, double bass

Pressestimmen:

Brass, Nikolaus
songlines
 für Solo Streicher
Interpret: Helge Slaatto, Violine; Klaus-Peter Werani, Viola; Erik Borgir, Cello; Frank Reinecke, Kontrabass
Verlag/Label: NEOS 11021
Rubrik: CDs
erschienen in: Neue Zeitschrift für Musik 06/2010, Seite 89

Musikalische Wertung: 5
Technische Wertung: 5
Repertoirewert: 5
Booklet: 5
Gesamtwertung: 5

Hätte die Phrase nichts Bieder-Konservatives an sich, so käme man in Versuchung zu schreiben, dass in den song­lines für Solo-Streicher (2006/07) nirgends «gegen das Instrument» komponiert wird. Aber es geht zum Glück auch anders: Nikolaus Brass’ Musik hat nichts Zwanghaftes, ihre Stärke ist ihre Selbstverständlichkeit. Kantilenen aus seiner Feder kommen stets wie aus einem Guss. Das ruhige Kreisen um einzelne Intervalle könnte sich ins End­lose ziehen. Und dann wäre da noch diese organische Geschlossenheit des gesamten Werks; auch oft mit nega­tivem Beigeschmack interpretiert, bei Brass aber in atemberaubender Vollendung zu hören.

Vier Sätze umfassen die songlines. Eingerahmt sind sie von einem Prolog und einem Epilog, einmal unterbrochen von einer «intermission» für Viola solo. Meist nach innen gewendet ist der Gestus der etwa zwölfminütigen Sätze. Einer Meditation in höchsten Registern gleicht «songlines I» für Violine. Ausgefeilt sind die mehrstimmigen Akkorde, durchsetzt mit Glissandi auf engem Raum. Vorbereitet durch die entspannte «intermission» erreicht Brass in den zentralen «songlines III» für Viola eine Kunsthöhe, die sich messen lassen kann mit den Hauptwerken der Viola-Literatur, etwa mit Pierluigi Billones ITI KE MI (1995). Vergleichsweise weniger radikal, aber zugleich flexibler zeigt sich Brass. Gläsern fragile Flageolett-Passagen gehen bruchlos über in ausgefeilte, ordinario gespielte Mehrstimmigkeit, dann wieder folgen flächige Episoden, manchmal mit brüchiger Tongebung im Forte, dann wieder mit feinst dosiertem Bogendruck.

Ohne den spezialisierten Interpreten kommen die songlines nicht aus. Mit Helge Slaatto (Violine), Klaus-Peter Werani (Viola), Erik Borgir (Cello) und Frank Reinecke (Kontrabass) kann sich Brass glücklich schätzen. Aufopferungsvoll müssen sich die Herren vorbereitet haben, allein instrumentale Fähigkeiten erklären die besondere Intimität der Aufnahmen nicht. An dieser haben auch die Techniker und der Produzent Helmut Rohm aus dem Hause des Bayerischen Rundfunks ihren Anteil: Stimmig ist die Mikrofonierung; zwischen aufdringlicher Nähe und Distanz ist genau das richtige Maß gefunden. Subjektive Kommentare der Interpreten runden im Booklet eine furiose Produktion ab. «Eine entrückte Musik, sehnsüchtig, intim, feinnervig, sich selbst leise zusingend», beschreibt der Cellist Erik Borgir seine Eindrücke. Kaum etwas ist hinzuzufügen. Nur noch: Höchstnoten.

Torsten Möller

 


14.08.2010

 


17.02.2010

Nikolaus Brass – songlines


Lange galt Nikolaus Brass als ein Außenseiter der aktuellen Musikszene, als einer, der als Komponist und Mediziner seinen ganz eigenen Weg geht und nur gelegentlich mit seiner Musik aufhorchen ließ. Das hat sich in letzter Zeit grundsätzlich geändert. Brass, der 1949 in Lindau geboren wurde und seit vielen Jahren im Münchner Raum lebt und arbeitet, erfährt derzeit über die Zirkel der Neuen Musik hinaus große überregionale Aufmerksamkeit. Beim Label NEOS ist nun eine CD mit seinem „songlines“-Zyklus erschienen, einer Reihe von Solo- bzw. Duostücken für Streicher aus den Jahren 2006/07.

Sein Komponieren, dem Nikolaus Brass in unbeirrbarer Kontinuität neben seinem Brotberuf als Arzt und Redakteur einer medizinischen Fachzeitschrift nachgeht, entspringt einer inneren Notwendigkeit abseits diverser Schulen und ästhetischer Schubladen. Erst relativ spät, mit Anfang dreißig, gibt Brass eigene Werke frei. Mittlerweile liegt ein vielseitiges Oeuvre vor, das Stücke für große Besetzungen ebenso einschließt wie Kammermusik in unterschiedlichen Formationen. Charakteristisch für seine Musik sind fließende Zeitprozesse, Fragen von Ordnung und Störung, das unprätenziöse Abtasten der akustischen Außenfläche nach dem, was sie als Widerhall in sich birgt sowie Aspekte der menschlichen Existenz, deren Fähigkeit des Erinnerns und Vergessens, dem permanenten Kreisen von Verlieren und Wiederfinden. Obwohl Brass eine stille Persönlichkeit ist und nie viel Aufheben um sich und sein Werk gemacht hat, meldet er sich doch sehr reflektiert zu Wort, wenn es um die Relevanz von Gegenwartsmusik geht oder um den Stand des Komponierens.

Unsichtbare, mythische Landkarte

Der Titel seines Zyklus „songlines“ bezieht sich auf Bruce Chatwins Roman „The Songlines“ (deutsch: „Traumpfade“), der eine Reise durch das Innere Australiens beschreibt und zentral um die Songlines der Aborigines kreist. Dabei handelt es sich um eine Art unsichtbare, mythische Landkarte Australiens, die per Gesang von Generation zu Generation weitergetragen wird und Grundlage der Wanderungen der Urbevölkerung ist. Brass geht es in seiner Musik jedoch nicht um konkret programmmusikalisches Erzählen dieser Geschichten, vielmehr um ein „inneres Singen“, das für ihn essentiell für das bewusste Wahrnehmen und Verarbeiten von Musik ist. Gerahmt wird der Zyklus von einem kurzen Prolog für Viola solo und einem Epilog für Kontrabass.

Enorm facettenreiche Klangreise

Sechs unterschiedlich lange Solo- und Duostücke (auf der CD fehlen – bedingt durch die Gesamtlänge – „songlines“ II und VI) stehen dazwischen und spüren in wechselnden Stimmen unglaublich farben- und phantasiereich dem Klangspektrum und „Singen“ der jeweiligen Instrumente nach. Wie oftmals bei Brass sind die Partien jeweils frei notiert und überlassen den Musikern gestische Freiheit beim Gestalten ihrer Linien bzw. Singstimmen. Mit Frank Reinecke (Kontrabass) und dem norwegischen Geiger Helge Slaatto, denen „songlines“ gewidmet sind, sowie Klaus-Peter Werani (Viola) und Erik Borgir (Violoncello) erkunden äußerst sensibel und gleichzeitig virtuos mit der Musik von Brass bereits vertraute Interpreten diese Stückreihe. Kurze, sehr persönliche Booklet-Notizen dieser vier Musiker skizzieren, wie sie diese Musik erleben: als Fanfare, als reißenden Strom, als eine Ausfahrt auf See, in unbekannte Weiten. Ohne dass Brass viel „macht“, führt so seine Musik auf eine fein durchgestaltete, enorm facettenreiche Klangreise … Unbedingt hörenswert!

Meret Forster

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