Quartet Otomo Yoshihide, Axel Dörner, Sachiko M, Martin Brandlmayr: Donaueschinger Musiktage 2005 – SWR2 NOWJazz

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Artikelnummer: NEOS 41006/07 Kategorie:
Veröffentlicht am: Oktober 15, 2010

Infotext:

Die beharrliche Kraft des Leisen
Das Quartett Otomo Yoshihide · Axel Dörner · Sachiko M · Martin Brandlmayr bei den Donaueschinger Musiktagen

Die Meister des Zen hätten sicher ihre Freude daran. An den stets von neuem mit großer Gelassenheit repetierten Rhythmen, die an die klackenden Geräusche erinnern, die durch die immer wieder mit Wasser angefüllten und gleichfalls im stoisch gleichen Rhythmus nach unten kippenden Bambusrohre in den japanischen Zenklöstern verursacht werden.

Aber auch die abwechselnd mit 50 Hertz und mit 18.000 Hertz erklingenden Sinustöne, gleichsam ein klingender Reflex der beharrlichen Rhythmik, müssten Zenmönche beeindrucken. Denn sie zwingen zur Konzentration, zur Versenkung in die Musik. Die Momente der Stille, von denen der erste, über halbstündige Track der Doppel-SACD des Otomo Yoshihide Quartets durchsetzt wird, sind nur eine konsequente Fortsetzung dieser von äußerster Sparsamkeit und höchster Präzision geprägten Aufnahme.

Bereits bei seinem ersten Konzert 2005 in Donaueschingen konnte das neu formierte Otomo Yoshihide Quartet beeindrucken. Selbst die Spezialisten der Neuen Musik waren verblüfft, mit welch hoher formaler Konsequenz diese vier Improvisationskünstler zu Werke gingen.

Otomo Yoshihide, der in Tokyo lebende musikalische Tausendsassa, der als Mitglied der Gruppe »Ground Zero« sowohl im Avant-Noise-Rock als auch im experimentellen Reduktionismus international Stil prägend wirkte, stellte für die Performance bei den Donaueschinger Musiktagen eine Gruppe von Gleichgesinnten zusammen: Neben seiner langjährigen musikalischen Partnerin Sachiko M vom Duo »Filament«, deren irritierend-nackte Sinustöne aus einem kleinen Sampler stammen, dessen Testtöne durch einen Oszillator geschickt werden, spielen mit dem Trompeter Axel Dörner und dem Schlagzeuger Martin Brandlmayr zwei Protagonisten der europäischen Improvisationsszene in Otomos Quartett.

Beide Musiker sind aus der Szene des ästhetischen Reduktionismus bekannt – kaum je greift Brandlmayr zu den Trommelschlägeln, um sein Schlagzeug stattdessen mit Händen oder Besen in ein vielschichtiges Perkussionsinstrument zu verwandeln; kaum je bläst Dörner einen herkömmlichen Trompetenton, um sein Instrument stattdessen zu einer zart tönenden Luftröhre mutieren zu lassen, die er dank eines eingebauten Zuges auch mikrotonal verändert.

Doch wie Otomo kann man beide Instrumentalisten seit einiger Zeit auch in ganz anderen Kontexten hören: Brandlmayr als Mitglied des Trios »Radian«, das neuerdings elektronisch transformierte Echos der Rockmusik ertönen lässt, Dörner in der Gruppe »Die Enttäuschung«, die das Gesamtwerk von Thelonious Monk aufgenommen hat. Otomo selbst spielt in den Aufnahmen eine elektrisch verstärkte, halbakustische Gitarre und zwei Turntables, die er allerdings nicht so verwendet wie ein herkömmlicher DJ, weil er keine Schallplatten spielt, sondern seine Klänge meist direkt an den Tonabnehmern erzeugt.

Die Vielseitigkeit und Offenheit waren es, die diese vier Musiker bereits bei den Proben vor dem Donaueschinger Auftritt zu einer ungewöhnlichen Einheit verschmelzen ließen. Weshalb die Veröffentlichung neben dem Konzertprogramm auch die zwei ungewöhnlichsten Studiotakes abbildet (auf SACD 1). Eindrucksvoll unterläuft das Otomo Yoshihide Quartet das Klischee vom Reduktionismus. Zwar ist die Dynamik der Improvisationen tatsächlich oft äußerst reduziert, doch wird das Klangspektrum durch die experimentellen Spielweisen der vier Musiker beständig erweitert.

Ähnlich wie Helmut Lachenmann demonstriert dieses Quartett, dass mit Geräuschen sinnvolle und zugleich sinnliche Musik gemacht werden kann. Dass sie auch etwas Unbequem-Widerborstiges an sich hat, enthebt sie als zeitkritische Stimme aus ästhetizistischer Belanglosigkeit. Denn in einer Zeit der dröhnenden »Events« schöpft der Widerstand aus dem Leisen seine größte Kraft.

Reinhard Kager

Programm:

Donaueschinger Musiktage 2005
SWR2 NOWJazz

Quartet
Otomo Yoshihide · Axel Dörner
Sachiko M · Martin Brandlmayr

allurements of the ellipsoid

SACD 1 48:18

[01] allurement 1 36:58
[02] allurement 2 11:13

SACD 2 47:36

[03] allurement 3 21:12
[04] allurement 4 26:18

All compositions by
Quartet
Otomo Yoshihide · Axel Dörner · Sachiko M · Martin Brandlmayr

Otomo Yoshihide: turntable, electronics & guitar
Axel Dörner: trumpet
Sachiko M: sinewaves
Martin Brandlmayr: drums

Pressestimmen:


06.10.2011

The minimalist improvisation of Otomo Yoshihide’s Quartet, assembled for the 2005 Donaueschinger Music Festival, delivers a thoroughly abstract sound that could never be described as obtuse.

This coming together of heavyweight improvisers yielded two discs— one, a studio session and the other, a live performance—recorded over three days. Those familiar with the genius of Yoshihide’s music can follow his career from the noisy rock of his band Ground Zero to his swinging free jazz recordings for small and large ensemble. His previous releases include two 2010 tributes: one, to Albert Ayler, Bells; the other, to Ornette Coleman, Lonely Woman (both on Doubt). His longtime collaborator, since wave artist Sachiko M, makes up the duo that is Filament, an improvising band that often invites guest collaborators. Such is the case here, with the Yoshihide/M duo expanded to include Martin Brandlmayr, whose drumming in the post-rock band Radian has a parallel to Tortoise and Chicago Underground Trio. Rounding out the quartet is reductionist trumpeter Axel Dörner, a player equally suited for post-post-bop, as heard in his Thelonious Monk tribute band Die Enttäuschung, or as a minimalist player in Phosphor.

Here, the band maintains a quiet, almost meditative sound. Recorded in both 5.1 surround SACD sound and simple two-channel stereo, the quartet relies on silent passages, with nary a noisy surprise of babble, especially on the studio recording of the first disc. The players seem content to listen and contribute (sometimes hesitating) gestures. Dörner’s breathy fluttering floats over an undercurrent of M’s high frequency pitches and whistles. Likewise, Yoshihide is apt to deliver electronic hum as if it were a breath being expelled.

The studio recording appears as an ancient forest of 800 year-old redwood trees, with the implication that the trees’ conversations are not to be hurried, while CD2, the live disc’s “Allurement 3” and “Allurement 4” are (just a wee bit) noisier, the players interacting more with overlapping sounds. Brandlmayr continues to eschew his drumsticks for hand taps and pats, while the collective conversation lifts. Dörner’s breathy shudders bounce off the pings and pops of electronics, as the scratchy pops of a vinyl LP repeat in some sort of science fiction B-movie soundtrack.

In both the studio and the live performance discs, time—or the sense of musical time—is almost nonexistent. These four improvising players are participating in a classical dialogue of the empirical-versus-metaphysical nature of sound and music creation.

Marc Corroto

http://www.allaboutjazz.com/php/article.php?id=40445

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