Winbeck – Lütge – Schneid: Chamber Music

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1 CD

Artikelnummer: NEOS 12515-16 Kategorie: Schlagwort:
Veröffentlicht am: Februar 10, 2026

Dieses Album zeichnet das Porträt eines künstlerischen Kosmoses, der von radikaler Subjektivität, existenzieller Dringlichkeit und einem kompromisslosen Dialog mit der Tradition geprägt ist. Im Zentrum steht Heinz Winbeck (1946–2019), einer der eigenwilligsten deutschen Komponisten seiner Generation – ein Einzelgänger zwischen Romantik und Moderne, Expressionist in einer Zeit des Serialismus, Symphoniker wider den Zeitgeist. Seine Kammermusik, lange im Schatten der monumentalen Symphonien stehend, erweist sich hier als Schlüssel zu seinem Denken.

Die drei Werke Winbecks markieren entscheidende Wendepunkte seines Schaffens. Poco a poco … (1973) dokumentiert die Findung einer eigenen Sprache: Aus kleinsten Keimen entfaltet sich ein unerbittlicher Prozess, der in einer beklemmenden Schubert-Chiffre kulminiert – Tod und Unausweichlichkeit werden hörbar. Das Streichquintett Blick in den Strom (1981), inspiriert von Nikolaus Lenau, steht am Beginn von Winbecks reifer Phase und verbindet manische Bewegung mit einer choralen, erschöpften Ruhe. Mit Heiter … Einsam … Leise … (1996) nach Georg Trakl erreicht Winbecks subjektiver Expressionismus einen Extrempunkt: eine existenzielle Grenzerfahrung zwischen Zerfall, Schrei und verstörender Einfachheit – zugleich der Auftakt zu einer langen Schaffenskrise und einem mehrjährigen Verstummen.

Das Album spannt den Bogen weiter zu zwei Komponist:innen, die Winbecks Haltung geprägt hat: seine Schüler Tobias PM Schneid und Ines Lütge. Schneids Zyklus Torso – Fragment – Kommentar versteht sich als komponierte Interpretation von Liedern Schumanns und Schuberts. In schonungsloser Dekonstruktion verwandelt er romantische Naturbilder in ein zeitgenössisches Manifest über Verlorenheit und die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Schönheit erscheint hier brüchig, Erinnerung wird zur Anklage.

Ines Lütges Streichquartett Beschriebene Blätter ist ein persönlicher Abschied von ihrem Lehrer. In hochkonzentrierter Form verschränkt sie kontrapunktische Strenge, klangliche Sinnlichkeit und expressive Suche. Anklänge an Beethoven und Bach werden zu Erinnerungsfragmenten – Musik als offene, unbeantwortbare innere Frage.

Interpretiert wird dieses anspruchsvolle Programm vom Leopold Mozart Quartett und den herausragenden Solist:innen Luise von Garnier (Mezzosopran), Susanne Gutfleisch (Violoncello) und Andreas Kirpal (Klavier), die mit großer klanglicher Präzision und emotionaler Tiefe überzeugen.

Winbeck – Lütge – Schneid: Chamber Music ist mehr als ein Album: ein eindringliches Dokument über künstlerische Wahrhaftigkeit, Traditionsbewusstsein und den Mut zur kompromisslosen Intensität.

Programm

CD 1 40:57

Heinz Winbeck (1946–2019)
Blick in den Strom
Quintett für 2 Violinen, viola und 2 Violoncelli (1981)

Mariko Umae, Violine 1
Aleksandra Manic, Violine 2
Christian Döring, Viola
Johannes Gutfleisch, Violoncello 1
Susanne Gutfleisch, Violoncello 2

 

Ines Lütge (*1974)
Beschriebene Blätter
für Streichquartett (2019)

Leopold Mozart Quartett

 

Heinz Winbeck
Poco a poco …
für Klavier und Streichtrio (1974)

Mariko Umae, Violine
Christian Döring, Viola
Johannes Gutfleisch, Violoncello
Andreas Kirpal, Klavier

 

CD 2 50:52

Tobias PM Schneid (*1963)
Torso – Fragment – Kommentar
komponierte Interpretationen zu Liedern von R. Schumann und F. Schubert für Streichquartett und tiefe Frauenstimme (2023)

Luise von Garnier, Mezzosopran
Leopold Mozart Quartett

 

Heinz Winbeck
Heiter … Einsam … Leise …
Helian-Fragmente nach Entwürfen zu Helian von Georg Trakl für tiefe Frauenstimme und Streichquartett (1996)

Luise von Garnier, Mezzosopran
Leopold Mozart Quartett

Biografien

Heinz Winbeck, geboren 1946 in Landshut, stammt aus dem niederbayrischen Bauern- und Arbeitermilieu und kam zur Musik über den Orgeldienst und mittels eines Klaviers, welches aus dem Schmerzensgeld bei einem Unfall des Kindes erstanden werden konnte. Er studierte in München am Richard-Strauss-Konservatorium Klavier bei Magda Rusy und Dirigieren bei Kurt Eichhorn und anschließend an der Hochschule für Musik in München bei Günter Bialas Komposition. Erste Aufführungen seiner Musik erklangen beim Stuttgarter Musikfest, in München bei der musica viva und in Hitzacker, später bei den Donaueschinger Musiktagen, in Saarbrücken und in Berlin. Er erhielt den Münchner Kulturpreis, ein Paris-Stipendium und andere Auszeichnungen.

Nach vier Jahren Schauspielmusik am Theater Ingolstadt suchte Heinz Winbeck seinen eigenen Ausdruck freitonalen Komponierens zwischen Tradition und Moderne und markierte durch seine Konzentration auf Sinfonie und Kammermusik eine gewisse Distanz zur experimentellen Avantgarde. Auf der Suche nach dem Ausdruck der Zeit (die er als apokalyptisch empfand) und seiner eigenen Existenz war ihm die innere Verbundenheit mit Gustav Mahler, Anton Bruckner und Franz Schubert keine Bürde, sondern Halt, Vermächtnis und Auftrag.

1988 wurde Heinz Winbeck – nach seiner Lehrtätigkeit in Gehörbildung an der Hochschule für Musik in München – Professor für Komposition an der Hochschule für Musik Würzburg. Der vor dem Verfall gerettete Jurahof im Altmühltal (Winbecks Lebensstätte bis zu seinem Tode) wurde dadurch zum »Hotspot« für junge Komponisten wie Ines Lütge, Tobias PM Schneid, Bernhard Weidner und viele andere.

Heinz Winbeck komponierte fünf große Symphonien, von denen Dennis Russell Davies die meisten zur Aufführung brachte – sei es in Kalifornien (Cabrillo Festival of Contemporary Music 1987), München (musica viva), Köln / Bonn, Wien, Berlin und posthum in Hamburgs Elbphilharmonie und Leipzigs Gewandhaus. Ebenfalls posthum erwiesen sich die Musiker des Leopold Mozart Quartetts als ausgezeichnete, kenntnisreiche und hochengagierte Interpreten seiner Kammermusik (u. a. CD mit der Gesamteinspielung sämtlicher Streichquartette).

Heinz Winbeck starb überraschend im März 2019. Sein letztes Werk waren die Lebensstürme, eine Schubertmusik für Tanztheater (2010), danach hörte er mit dem Argument »Ich habe alles gesagt« auf zu komponieren. Der OPUS KLASSIK wurde dem aufgrund seiner Zurückgezogenheit nach wie vor als »Geheimtipp« gehandelten Komponisten ebenfalls posthum 2021 verliehen.

 

Ines Lütge hat Ihr Kompositionsstudium an der Würzburger Hochschule für Musik bei Prof. Heinz Winbeck absolviert. In dieser Zeit war sie Stipendiatin der Cité international des Arts in Paris. Kompositionsaufträge erhielt sie u.a. vom Young Euro Classic Festival in Berlin, der Rundfunk Orchester und Chöre gGmbH Berlin (ROC) und den Kasseler Musiktagen. 1999 wurde ihr der 1. Preis des Wettbewerbs zum Anlass der Glasfestspiele im Bayerischen Wald für das Ensemblestück Prisma zuerkannt. 2002 wurde das Orchesterstück Die Tage fallen im Rahmen der Saarbrücker Komponistenwerkstatt uraufgeführt. 2018 erhielt sie den 1. Preis des Wettbewerbs »Florence String Quartet calls for Scores«, 2022 den Bayerischen Kompositionspreis für die Ausschreibung »A New Song – via-nova« und den 1. Preis beim Siegburger Kompositionswettbewerb für Drei Lieder nach Gedichten von Heinrich Heine.

 

Tobias PM Schneid (geboren 1963 in Rehau /Hof) wurde schon während seines Kompositionsstudiums in Würzburg (bei Bertold Hummel und insbesondere Heinz Winbeck) mit zahlreichen internationalen Preisen und Auszeichnungen für seine Kompositionen bedacht.

Sein Œuvre umfasst Werke nahezu aller musikalischen Gattungen: von großorchestraler Sinfonik, Solokonzerten und einem ausgedehnten Werkkatalog für Ensemble- und Kammermusiken bis hin zu einem abendfüllenden Ballett (Dorian Gray) und der Neukomposition einer Musik zu Walter Ruttmanns bahnbrechendem Film Berlin – Die Sinfonie der Großstadt von 1927.

Sein bisheriges Schaffen wurde auf mittlerweile fünf Portrait-CDs sowie in Zusammenarbeit mit international renommierten Künstlern und Orchestern dokumentiert (u. a. dem BBC Symphony Orchestra London, den Symphonieorchestern des BR, des SWR, des WDR und des SR, dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, dem Bundesjugendorchester und dem Münchener Kammerorchester unter der Leitung von Andris Nelsons, Kent Nagano, Dennis Russel Davies, John Storgards u. a.). Solowerke entstanden u. a. für Jörg Widmann, Maximilian Hornung, Alban Gerhardt, Carin Levine und Stefan Schilli. Zahlreiche internationale Wettbewerbe – darunter der Internationale Klarinettenwettbewerb Freiburg 2011 sowie der Internationale Musikwettbewerb der ARD München (2007 und 2014) – haben bei Schneid Pflichtstücke für die Finalistenrunden in Auftrag gegeben.

Seine Werke waren 1989, 1991 und 2006 offizielle deutsche Beiträge für die jeweiligen Weltmusiktage. In Kooperation mit dem Goethe-Institut führten ihn Konzert– und Vortragsreisen durch Europa und Asien. 2009 und 2015 wurde Schneid für den GEMA Musikautorenpreis nominiert. Seit 2015 ist er ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, seit 2021 ist er ordentliches Mitglied im Werkausschuss der GEMA. Seit 1997 unterrichtet Schneid am Konservatorium bzw. der Hochschule für Musik in Würzburg Musiktheorie und Komposition.

 

Leopold Mozart Quartett

Mariko Umae erhielt ihren ersten Geigenunterricht im Alter von vier Jahren. Ihr Studium an der Universität der Künste in Aichi (Japan) bei Prof. Yoshiko Okayama absolvierte sie mit Auszeichnung. 2004 setzte sie ihr Studium unter Prof. Daniel Gaede an der Hochschule für Musik Nürnberg fort. In Japan machte sie schon in jungen Jahren bei zahlreichen Wettbewerben auf sich aufmerksam. Auch in Deutschland erspielte sie sich durch ihre hervorragenden Leistungen im Jahr 2005 den zweiten Platz beim Lions-Musikpreis. Im darauffolgenden Jahr gewann sie im Duo den ersten Preis und in der Kategorie Klaviertrio einen Sonderpreis beim Kammermusikwettbewerb des Mozartvereins Nürnberg. Sie erhielt Engagements bei zahlreichen Opern- und Sinfonieorchestern und war als Aushilfe unter anderem am Badischen Staatstheater Karlsruhe sowie am Nationaltheater Mannheim tätig. Im Anschluss an ihre Tätigkeit am Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken erhielt sie ein Engagement bei der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern. Im Jahr 2014 wechselte sie zu den Augsburger Philharmonikern als Vorspielerin der ersten Geigen. Mit großer Leidenschaft ist sie erste Geigerin des Leopold Mozart Quartetts, mit dem sie bereits mehrere CD-Aufnahmen realisiert hat.

Aleksandra Manic begann ihre musikalische Ausbildung an der Schule für musikalisch hochbegabte Kinder in Ćuprija, Serbien. Seit 2008 lebt sie in Deutschland und studierte an der Hochschule für Musik Karlsruhe bei Prof. Ulf Hoelscher, Prof. Elina Vähälä und Prof. Anna-Liisa Bezrodny. Wichtige künstlerische Impulse erhielt sie in Meisterkursen unter anderem bei Prof. Ana Chumachenco. Nach mehreren Jahren bei der Badischen Staatskapelle Karlsruhe ist sie seit 2021 festes Mitglied der Augsburger Philharmoniker und seit 2022 Mitglied des Leopold Mozart Quartetts.

Christian Döring, in einer Musikerfamilie aufgewachsen, begann im Alter von fünf Jahren das Geigenspiel zu lernen. Mit elf Jahren erhielt er einen 1. Preis beim Bach-Wettbewerb Leipzig. Während seines Studiums an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin bei Eberhard Feltz beschäftigte er sich u. a. als Mitglied des Chagall-Quartetts intensiv mit dem Streichquartettspiel. Er absolvierte ein Kammermusikstudium bei Friedemann Weigle (Petersen-Quartett) und Eberhard Feltz und besuchte zahlreiche Kammermusikkurse (Oberstdorfer Musiksommer, Schubertiade Schwarzenberg, u. a.). Von 2004 bis 2014 war er Geiger bei den Augsburger Philharmonikern, seit 2015 ist er dort Solobratscher.

Der Cellist Johannes Gutfleisch studierte nach seinem Gaststudium am Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg an der Hochschule für Musik Köln sowie an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar und belegte unter anderem Kurse bei Harvey Shapiro, beim Amadeus Quartett und beim Petersen-Quartett. Er ist seit 2001 Vorspieler bei den Augsburger Philharmonikern. 2009 initiierte er die Konzertreihe »Zukunftsmusik«, die inzwischen einen festen Platz im Spielplan des Staatstheaters Augsburg hat.

 

Luise von Garnier ist seit der Spielzeit 2022 / 23 Ensemblemitglied am Staatstheater Augsburg. Zuvor war sie fünf Jahre am Badischen Staatstheater Karlsruhe engagiert. Nachdem Sie zunächst als Mezzosopran zahlreiche Opernpartien ihre Faches sang (u. a. Komponist in Richard Strauss: Ariadne auf Naxos; Siegrune in Richard Wagner: Die Walküre; 2. Dame in Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte), nähert sie sich inzwischen zunehmend dem dramatischen Sopranfach an. In der Spielzeit 2025 / 26 debütiert sie in Otto Nicolais Die Lustigen Weiber von Windsor als Frau Fluth. Neben dem klassischen Opernrepertoire begeistert sie mit Interpretationen moderner Stücke: In der europäischen Erstaufführung von Angel’s Bone (Du Yun) sowie den Uraufführungen von The Last Night of the World (Agusti Charles) und Exportschlager (Simon Mack), in Die letzte Verschwörung (Moritz Eggert) und als Dritte Sekretärin in der gefeierten Produktion von John Adams’ Nixon in China an der Staatsoper Stuttgart.

Luise von Garnier studierte an der Universität der Künste Berlin bei Gabriele Schnaut und bei Ingrid Haubold an der Hochschule für Musik Karlsruhe, war Mitglied im Opernstudio des Badischen Staatstheaters und gastierte bei den Schlossfestspielen Wernigerode, am Theater Aachen, dem Staatstheater Meiningen und dem Anhaltischen Theater Dessau. Sie war Finalistin des Bundeswettbewerbs Gesang und gewann den 1. Preis beim Internationalen Carl-Orff-Gesangswettbewerb in München. Eine besondere Leidenschaft verbindet sie mit dem Liedgesang.

 

Die Cellistin Susanne Gutfleisch studierte nach ihrem Besuch des Musikgymnasiums Schloss Belvedere in Weimar bei Brunhard Böhme. Intensive Studien bei Eberhard Feltz, Norbert Brainin, dem Vogler Quartett u. a. prägten sie als Kammermusikerin. Sie verfügt über langjährige Berufserfahrung im Konzert- und Unterrichtsbereich. Individueller Umgang mit Schülern und anspruchsvolle Kammermusikprojekte bilden die Schwerpunkte ihrer Arbeit.

 

Andreas Kirpal wurde in Dresden geboren. Er studierte bei Arkadi Zenzipér, dem Kammermusikspezialisten Vassily Lobanov und bei Gerhard Oppitz. Zusätzlich zählt er den Londoner Klavierpädagogen Peter Feuchtwanger zu seinen Mentoren. Er debütierte 1997 mit dem 3. Klavierkonzert von Sergei Prokofjew in der Semperoper Dresden. Seine Liebe zur Kammermusik ist in vielen Rundfunkaufnahmen und CDs dokumentiert, die Aufnahme von Violinsonaten Mieczysław Weinbergs mit seinem Bruder Stefan Kirpal (cpo) erhielt im Januar 2010 den begehrten Diapason d’Or. Andreas Kirpal unterrichtet an der Hochschule für Musik und Theater München, dem musischen Pestalozzi-Gymnasium München und an der Musikschule seines Wohnorts Gräfelfing.

Infos

Katalognummer: NEOS 12515-16

EAN: 4260063125157

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