York Höller: Sphären – Der ewige Tag

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Artikelnummer: NEOS 11039 Kategorie:
Veröffentlicht am: Mai 15, 2010

Infotext:

Musikalischer Beziehungsreichtum

Mit seinem Orchesterzyklus Sphären hat der Komponist York Höller ein großformatiges Werk geschaffen, das wie in einem Brennpunkt die literarischen, künstlerischen und persönlichen Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte bündelt. Sphären besteht aus sechs »Klangbildern« unterschiedlichen Charakters, von denen die ersten fünf während der Jahre 2001 bis 2005 entstanden sind; nach dem Tod seiner Ehefrau Ursula Höller-Heidemann im Januar 2006 fügte Höller noch den abschließenden sechsten Satz hinzu und widmete die Musik »in Liebe und Dankbarkeit« dem Andenken der Verstorbenen. Mit der Benennung sowohl des Zyklus’ wie auch der Einzelsätze bringt der Komponist auf der Ebene der Titelgebung einen Beziehungsreichtum ins Spiel, der einige Anregungen und Impulse der Werkentstehung spiegelt.

Das Titel gebende Bild der Sphäre erinnert zunächst – im Sinne des Begriffs »sphaira« (griech.: Hülle) und anspielend auf die antike Naturphilosophie mit ihren vier Elementen Luft, Wasser, Erde und Feuer – an eine in sich geschlossene Gesamtheit und alles umhüllende Totalität. Von dieser Bedeutung her benennt es den zusammenfassenden Charakter, der dem Sphären-Zyklus, gleichsam als Summe von kompositorischen Erfahrungen, im Schaffen Höllers zukommt. Exemplarisch realisiert der Komponist hier seine Idee vom Kunstwerk als »organisch-energetischem System«, in dem alle Bestandteile nicht nur funktionell aufeinander bezogen sind, sondern auch auf einheitliche strukturelle Grundlagen, die so genannten »Klanggestalten«, zurückgehen, die – vergleichbar dem menschlichen Erbgut – alle melodischen, harmonischen, rhythmischen und formalen Entwicklungsmöglichkeiten des Werkes keimhaft in sich tragen und sie im zeitlichen Verlauf der Musik entfalten. Jeder Einzelsatz der Sphären lotet demnach bestimmte Lesarten einer dem ganzen Zyklus zugrunde liegenden Klanggestalt aus und lässt sie auf individuelle Weise, aber dennoch kompositorisch auch auf die übrigen Stücke bezogen, hervortreten.

Während die atmosphärischen Wechsel der ersten vier Klangbilder Wolkengesang, Windspiel, Erdschichten und Regen-Kanon sich Höller zufolge »regelmäßigen Aufenthalten in der oberitalienischen Alpensee-Landschaft und den damit verbundenen Natureindrücken« verdanken, handelt es sich beim fünften Stück, Feuerwerk, um die orchestrale Adaption eines Ensemblewerks, das der Komponist 2005 anlässlich des 75-jährigen Bestehens seiner Geburtsstadt Leverkusen im Hinblick auf die spätere Integration in den Sphären-Zyklus geschrieben hat. Eine besondere Bedeutung des Titels Sphären eröffnet sich schließlich angesichts des nachträglich hinzugefügten Klangbilds Sphärentrauer, wenn man dem Hinweis des Komponisten auf Peter Sloterdijks philosophisches Hauptwerk Sphären (1998–2004) folgt und ihn mit Höllers Widmung des Zyklus’ an seine verstorbene Ehefrau zusammendenkt. Denn Sloterdijk benutzt den Begriff der »Sphäre« für jenen gemeinsamen Erlebnis- und Erfahrungsraum, in dem die aus zwei Menschen gebildete Polarität eines Paares zum gemeinsam verstandenen Seinsverhältnis des Zusammengehörens wird: ein Verhältnis, das jedoch immer auch durch Instabilitäten gefährdet ist – am gravierendsten durch den Tod des Gegenübers.

Vor diesem Hintergrund lässt sich Sphärentrauer als künstlerischer Versuch der Bewältigung einer existenziellen Krise auffassen: Höller legt dem Satz das Stück Tastengeläut aus dem Klavierzyklus Monogramme (1995–2003) zugrunde, damit der Assoziation des Glockenklangs nachgebend, die im Tonsatz mitschwingt. Im neuen Klanggewand ist der Vorlage ein primär akkordisch gearbeiteter Einleitungsteil vorgelagert, der harmonisch auf dem ersten Segment der Klanggestalt von Sphären basiert und den Satz dadurch eng an die übrigen fünf Stücke bindet. In melodischer Hinsicht sind diesem Abschnitt jene Strukturen eingeschrieben, die Franz Schubert im Rückgriff auf sein eigenes Lied dem Variationssatz des Streichquartetts Der Tod und das Mädchen zugrunde gelegt hat – ein Thema, das Höller dann im weiteren Verlauf des Orchesterstücks als Klangsymbol in die Textur einarbeitet und als Konkretisierung dessen erscheinen lässt, was melodisch und harmonisch ohnehin bereits in der Musik verborgen war. Dieses »memento mori« beschließt einen zu Musik kristallisierten Erfahrungsschatz, der durch vielfältige Formen von expressiver Intensität beeindruckt und den Hörer zu musikalischem Erleben anstiften möchte.

Auf anderer Ebene eignet auch der Komposition Der ewige Tag für Chor und Orchester (1998–2000, rev. 2002) ein zusammenfassender Charakter. Die von Höller ausgewählte Lyrik umspannt in drei miteinander korrespondierenden Textstationen Zeit und Raum und greift damit die im Titel thematisierte Idee eines in die Ewigkeit hinein ausgedehnten Tageslaufs, einer Art mythischen Sonnenwanderung von Ost nach West, auf – sie zugleich mit dem Bild einer friedlichen Koexistenz dreier unterschiedlicher Kulturen verschränkend: Sie gibt den Gedanken des mittelalterlich arabisch-islamischen Dichters Ibn Scharif zu Morgen und Orient Raum, verknüpft diese mit dem expressionistischen Blick Georg Heyms auf Bilder aus der antiken griechischen Mythologie, die für die Zeit vom späten Vormittag bis zum milden Abend stehen, und geleitet den Hörer schließlich, im Zwischenspiel von irrlichternden Zitaten aus Gustav Mahlers 7. Sinfonie unterstützt, zu Pablo Neruadas Zeilen über »uralte Nacht und Dünste von Salz« aus der lateinamerikanischen Gegenwart, die – lokalisiert an den Ufern des Stillen Ozeans – den Blick wieder darauf richten, dass am nächsten Morgen die Sonne im »Osten erglüht«. Auf der Textebene ist der Komposition damit eine unendliche Bewegung eingeschrieben, die musikalisch mit Höllers plastischer Behandlung von Chor und Orchester korrespondiert und darauf zielt, die im Titel thematisierte Utopie des »ewigen Tages« nachzuzeichnen: eines Tages, der, im Sinne eines »ewigen Kreislaufs«, »nicht endet, sondern am Punkt seines Endes mit dem Anfang kurzschließt und wieder neu beginnt« (Höller). Das Werk ist Wolfgang Becker gewidmet.

Stefan Drees

Programm:

Sphären (2001–2006) 39:22
for large orchestra and live electronics

[01] I Wolkengesang 05:40
[02] II Windspiel 05:57
[03] III Erdschichten 07:49
[04] IV Regen-Kanon 05:56
[05] V Feuerwerk 08:17
[06] VI Sphärentrauer 05:44

2010 Grawemeyer Award for Music Composition
World Premiere Recording

[07[ Der ewige Tag (1998–2000, rev. 2002) 22:38
for mixed chorus, large orchestra and live electronics
Texts by Ibn Scharaf, Georg Heym and Pablo Neruda

total time 62:11

 

WDR Sinfonieorchester Köln
WDR Rundfunkchor Köln
Semyon Bychkov, conductor

Pressestimmen


11/2010

The most  substantial work here, Sphären had a rather long genesis  although conceived as a whole from the start. The final movement was added in  2006 as a memorial to the composer’s recently deceased wife to whom the cycle  is dedicated. The six movements are played without a break which clearly  emphasises its global conception. The title of each of the first four  movements – and indeed that of the fifth – suggests a poetic idea triggering  the composer’s and the listener’s imagination rather than any specific  programme. Here they are : Wolkengesang (“Song of the Clouds”),  Windspiel (“Play of the Wind”, a capricious Scherzo in all but the  name), Erdschichten (“Layers of Earth”, slow, massive, at times  seismic), and Regen-Kanon (“Rain Canon”, raindrops suggested by  endlessly repeated pizzicatos but building up to a climax before making its  way to the initial mood).

Of these the first movement is the most important  because the main material from which most of the ensuing music derives is  stated in the first fourteen bars. The opening of the score is reproduced in  the inside cover of the jewel box, which is a very nice idea indeed. The fifth  movement is the orchestral version of a work for ensemble composed to mark the  seventy-fifth anniversary of the founding of Höller’s home town Leverkusen,  but with a view to its later inclusion in Sphären. Its title  Feuerwerk (“Fireworks”) and the music speak for themselves in a  brilliant display of orchestral virtuosity. As already mentioned the sixth  movement Sphärentrauer (“The Sadness of the Spheres”) was added in 2006  after the death of the composer’s wife. The music, however, retains some of  the material from the first movement whereas most of it is based on a piano  piece Tastengeläut from the piano cycle Monogramme  (1995/2003). The sound of bells suggested in the piano piece permeates much of  the music thus emphasising the elegiac character of the final movement. The  excellent and detailed notes by Stefan Drees go into considerable details as  to the meaning that may be attached to the word “Spheres”, be they physical,  psychological or philosophical; but I firmly think that the music of this  substantial work may be easily experienced as a series of neatly defined and  vividly suggested “sound images” or “musical climates”. Much is left to the  listener’s imagination and one cannot but admire the superb orchestral writing  throughout and the structural coherence of the piece. This is one of the most  impressive orchestral scores that I have heard recently.

This does not  mean that Der ewige Tag (“The Eternal Day”) for chorus and  orchestra is not worth considering. Though in a single movement, it falls into  three sections setting texts by three different writers. The first part sets a  poem by Ibn Scharaf entitled “Morning” in which the poet not only paints the  dawning sun but also evokes his beloved in lyrical words. The second section  roughly dealing with the main part of the day from morning to early evening is  by Georg Heym who transforms day time into a mythological travelogue around  the Mediterranean Sea. An orchestral interlude in which a brief allusion to  Mahler’s Seventh Symphony is heard leads into the final section setting La  Noche en Isla Negra by Neruda.

Unfortunately enough the text of  this poem could not be reprinted because of copyright’s reasons. After a first  hearing I thought that the music lacked variety and that Höller’s setting did  not make the best of what the words had to offer. Further hearings helped me  change my mind about it. After all, the idea is that of “an eternal day” in  which sunset somewhere means dawn somewhere else. This aspect seemed to  justify Höller’s approach to his chosen texts. They too symbolically follow  the course of the sun during a single day from East to West. Incidentally this  recording has previously been released on Avie AV 0019 as a most generous  “fill-up” to Mahler’s Third Symphony.

Both works written for large  orchestra and live electronics display Höller’s best qualities. His vivid  orchestral imagination still enlivened by subtly used electronics makes his  music readily accessible and strongly expressive without compromise. Excellent  performances and very fine recording make this release most welcome, the more  so given that Höller’s music is still too little known. I hope that this  splendid release will help redress the balance.

Hubert  Culot


09.08.2010

Organische Konstruktionen

Zur kompositionstheoretischen Auslegung seiner Werke zieht der aus Leverkusen stammende York Höller gerne den Begriff der Klanggestalt heran. So auch für seinen 40 Minuten dauernden Zyklus ‚Sphären‘ für großes Orchester und Live-Elektronik, der hier gemeinsam mit ‚Der ewige Tag‘, ebenfalls für großes Orchester und Live-Elektronik sowie gemischten Chor, eingespielt vorliegt. Verantwortlich zeichnen das WDR Sinfonieorchester Köln und der WDR Rundfunkchor Köln unter Semyon Bychkov. Zurück zur Klanggestalt: Höller versteht darunter, darin der entwickelnden Variation prinzipiell nicht unähnlich, komplexe Gebilde, deren Offenheit und Transformierbarkeit den Grundstein für die Entwicklung eines gesamten Werkes in sich tragen. Durch diesen ständig präsenten und sich erweiternden musikalischen Zusammenhang werde zugleich Höllers Idee vom Kunstwerk als ‚organisch-energetischem System‘ realisiert. So weit, so schwierig. Unschwer ist in diesen Andeutungen zu erkennen, dass die schöpferischen Wurzeln des 1944 Geborenen in der Zweiten Wiener Schule liegen. Große Namen wie Stockhausen, Zimmermann, Eimert als Lehrer kommen hinzu.

Glücklicherweise jedoch lassen sich die ‚Sphären‘ keineswegs einseitig auf ein Bündel diverser Einflüsse zurückführen. Für seine sechs ‚Klangbilder‘ hat der Kompositionsprofessor und ehemalige künstlerische Leiter des Studios für Elektronische Musik am WDR den Gravemeyer Award erhalten, zu dessen früheren Gewinnern unter anderem György Ligeti, Pierre Boulez oder Krzysztof Penderecki gehören. Hört man die Sätze mit so klingenden Titeln wie ‚Wolkengesang‘, ‚Windspiel‘, ‚Regen-Kanon‘ oder gar ‚Feuerwerk‘, gewinnt die Idee vom organisch-energetischem System etwas Bezwingendes. Höllers bis ins kleinste Detail wunderschön instrumentierte Verläufe erzeugen ganz von alleine ohne erklärenden Zusatz den Eindruck des Fließens, Pulsierens und Wachsens. So konstruiert alles sein muss, so organisch-unmittelbar, so sinnlich ansprechend wirkt es. Dies zumal sich die elektronisch generierten Klänge irritierend problemlos in die farbenschillernden Schichten des WDR Sinfonieorchesters einfügen, wodurch eine Art potenzierter, atmosphärisch reizvoller Gesamtklang entsteht. Für den ‚naiven‘, nicht strukturell geschulten Hörer erleichtert sich auch dadurch der Zugang, dass Höller die Überschriften seiner Klangbilder nicht willkürlich gewählt hat. ‚Wolkengesang‘ etwa zeichnet sich durch eine von den Streichern heraufbeschworene schwebende Statik aus während im ‚Regen-Kanon‘ ‚tropfende‘ Pizzicato-Kaskaden dominieren. Das sechste Klangbild ‚Sphärentrauer‘ hingegen soll durch den produktiven Umgang mit einem Schubert-Zitat aus dem Streichquartett ‚Der Tod und das Mädchen‘ an Höllers verstorbene Ehefrau erinnern, der die ‚Sphären‘ gewidmet sind.

Dass Höller sich nicht vorm Zitieren scheut, wird gleichfalls in ‚Der ewige Tag deutlich‘, denn hier tauchen nach behutsamer Vorbereitung gegen Ende jeweils der Anfang der ersten und zweiten Nachtmusik aus Gustav Mahlers Siebter Sinfonie auf. Die aus drei verschiedenen Epochen und Kulturkreisen stammenden Gedichte von Ibn Scharif, George Heym und Pablo Neruda dienen unter anderem dazu, die Vision einer friedlichen, weltumspannenden Utopie zu evozieren. Gleichwohl ist es ein wenig schade, dass sämtliche Texte einheitlich in der Art eines Rezitativs mehr gesprochen als gesungen werden. Zwar trägt das zur Verständlichkeit der Gedichtinhalte bei, erweckt auf Dauer jedoch den Eindruck von Monotonie. Interpretatorisch lassen Orchester und Chor unter Semyon Bychkov keinerlei Wünsche offen. Der informative Booklet-Text fällt recht kurz aus

Aron Sayed

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:


09/2010


07/2010


17.06.2010

Sphären, a 40-minute cycle of six pieces for large orchestra and live electronics, completed in 2006, won York Höller this year’s prestigious Grawemeyer award for composition. Since he was a pupil of Stockhausen in the 1970s and one of the pioneering composers to work with Boulez at Ircam in Paris in the 80s, Höller has produced a stream of impressive orchestral works, often using electro-acoustic techniques, and his own musical language has become gradually more simplified in the process.

The title of Sphären alludes to the ancient Greek idea of the four natural elements – earth, air, fire and water – and the movements all carry evocative titles – Song of the Clouds, Wind Chimes, Layers of Earth, and so on. The music, too, is strikingly pictorial, often sounding like early Stravinsky, with an added veneer of electronic sounds; it’s highly effective, just as the choral settings of texts by Ibn Sharaf, Heym and Neruda in Der Ewige Tag (from 2002, again with live electronics) have a genuine allure about them. Höller, it seems, has supplemented his old musical rigour with something more immediately communicative.

 


Sendung am 22. Mai 2010

SWR2 – Neues vom Klassikmarkt
vorgestellt von Georg Waßmuth

Im vergangen, langen und kalten Winter erhielt der in Köln lebende Komponist York Höller einen Anruf. Sein Verleger teilte ihm mit, dass er den mit 200.000 Dollar dotierten Grawemeyer Award gewonnen habe. Stifter ist der 1993 verstorbene Industriebaron Charles Grawemeyer, der eine lebenslange Leidenschaft für Musik hegte. York Höller ist der erste Deutsche, der mit dem Preis ausgezeichnet wurde.

1944 in Leverkusen – Schlebusch geboren, gehörte Höller stets zur Avantgarde der Neuen Musik. Die elektronische Klangerweiterung hat er maßgeblich beeinflusst, seine Oper „Der Meister und Margarita“ war ein Welterfolg, er schrieb für alle möglichen Besetzungsformen ein reiches Oeuvre.

Den Grawemeyer Award erhielt Höller für sein Orchesterwerk „Sphären“. Es ist eine mehrteilige Beschreibung der oberitalienischen Seenlandschaft. Höller, der unheilbar am Grauen Star erkrankt ist, durchwanderte die Region bis zur völligen Erblindung. Er schrieb sechs Jahre eine Art Gedächtnisprotokoll für großes Orchester. „Wolkengesang“ ist der erste Satz überschreiben. Es spielt das WDR Sinfonieorchester Köln unter Semyon Bychkov.

Das WDR Sinfonieorchester unter Semyon Bychkov spielte den Wolkengesang aus dem Orchesterzyklus „Sphären“ des Kölner Komponisten York Höller. Nach seiner fast vollständigen Erblindung war die Fertigstellung der Partitur ein äußerst mühsamer Prozess. Höller arbeitet mit einem Computerprogramm, das ihm jede Note, die er mit der Tastatur eingibt, laut vorliest und ihm hilft, Note für Note an der richtigen Stelle der Partitur zu positionieren. Mit viel Geduld komponiert Höller so pro Tag ein, zwei Takt. Fünf Jahre brauchte er für die 136 Seiten der Sphären-Partitur.

Als im Jahr 2006 seine Frau Ursula Höller-Heidemann starb, wollte der blinde Komponist die Arbeit aufgeben. Während der Trauerfeier jedoch spielten Kölner Musikstudenten Schuberts „Der Tod und das Mädchen“. Höller lieh sich bei Schubert das Thema und vollendete den eigenen Orchesterzyklus mit der Sphärentrauer. Er widmete das Werk dem Andenken seiner Frau.

Seymon Bychkov leitete das WDR Sinfonieorchester bei der Sphärentrauer von York Höller. Der gesamte Orchesterzyklus ist Teil einer Portrait-CD, die beim Label Neos in München erschienen ist. Die Produktion kann vorbehaltlos empfohlen werden, um den Komponist näher kennen zu lernen.

Neben dem Klangzauber des großen Orchesterapparates, der auch mit elektronischen Mitteln erweitert wird, spricht die vorzügliche Interpretation für diese Weltersteinspielung.

„Der ewige Tag“ ein Werk für Chor und großes Orchester rundet die sehr aufwändig gestaltete Edition ab.

Auszeichnungen & Erwähnungen:


13.04.2010

„Spheres,“ a six-movement work for orchestra by German composer York Hoeller, has earned the 2010 University of Louisville Grawemeyer Award for Music Composition.

York Hoeller, winner of the 2010 Grawemeyer Award for Music Composition

The piece, chosen from among 136 entries worldwide, was performed for the first time in 2008 by the West German Broadcasting Corp.’s symphony orchestra in Cologne, Germany.

„The work grips you viscerally from the first bars and never lets up,“ said Marc Satterwhite, a UofL music professor who directs the award.

The 40-minute, six-movement piece was inspired by literature, music of the past and the elements of air, water, earth and fire from Greek philosophy, Satterwhite said. Hoeller, who spent five years composing the work, dedicated the last movement „with love and gratitude“ to his wife, Ursula, who died in 2006.

„The piece is magnificently scored, using a large orchestra to generate colors ranging from the most delicate to the most overwhelming,“ Satterwhite said.

Hoeller, professor emeritus of music composition at the Cologne University of Music, is known for fusing together live and electronic sounds in his works. His compositions often incorporate references to romanticism and French-influenced orchestration along with modernist techniques.

„Spheres“ is scheduled to be commercially released on CD in April by NEOS, a German company specializing in contemporary music recordings.

Five Grawemeyer Awards are presented annually for outstanding works in music composition, ideas improving world order, psychology, education and religion.

About York Hoeller

German composer York Hoeller is best known for fusing together live and electronic sounds and incorporating modernist techniques, references to romanticism and French-influenced orchestration into his works.

Born in Cologne in 1944, he was a music professor at Cologne University of Music, where he previously studied composition, electronics, piano and conducting. He studied philosophy and musicology at the University of Cologne.

His pieces for acoustical instruments and electronic media have been performed by major ensembles such as the Chicago Symphony, Ensemble InterContemporain in Paris and the London Sinfonietta and championed by eminent conductors such as Daniel Barenboim and Pierre Boulez.

In the mid-1970s, he began composing at the Paris Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique, an organization devoted to avant garde electro-acoustical music. In 1990, after becoming director of West German Broadcasting Corp.’s electronic studio, he began developing “gestalt composition,” a method of writing music that orders one or more musical elements in a fixed series.

Hoeller’s 1989 opera, „Der Meister und Margarita,“ which premiered at the Opera de Paris Palais Garnier, is based on a Russian novel by Mikhail Bulgakov about the devil’s visit to the Soviet Union. The same book also is said to have influenced Salman Rushdie’s novel „The Satanic Verses“ and inspired Mick Jagger of the Rolling Stones to write „Sympathy for the Devil.“ The six movements of Hoeller’s winning piece, „Spheres,“ („Sphären“ in German) are „Song of the Clouds,“ „Wind Chime,“ „Layers of Earth,“ „Rain Canon,“ „Fireworks“ and „Mourning of the Spheres.“

Besides earning the Order des Arts et des Lettres from the French Minister of Culture in 1986, Hoeller has been a member of the Academy of Arts in Berlin since 1991. He has received the Bernd Alois Zimmermann Prize from the City of Cologne, the Foerderpreis of the State of North Rhine–Westphalia, the Prize of the International Composers’ Forum of UNESCO and the Rolf Liebermann Prize for Opera Composers.

Boosey & Hawkes, an international company specializing in 20th century classical music, publishes his work, including his Grawemeyer Award-winning orchestral piece.

The Grawemeyer Award for Music Composition, given since 1985, previously has gone to musical luminaries Witold Lutoslawski, Gyorgy Ligeti and Pierre Boulez.

 

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