MÚSICA ANTIGUA – Alte Musik aus der Kathedrale von Las Palmas de Gran Canaria
Die Kathedrale Santa Ana von Las Palmas de Gran Canaria ist nicht nur ein architektonisches Zeugnis jahrhundertelanger Baugeschichte, sondern auch ein bedeutendes musikalisches Zentrum des Atlantikraums. Seit dem späten 15. Jahrhundert verfügte sie über eine eigene Musikkapelle, deren Repertoire sich im heute erhaltenen Archiv der Kathedrale widerspiegelt. Die ältesten Quellen reichen bis ins frühe 16. Jahrhundert zurück und dokumentieren eine reiche, vielfach noch unbekannte Tradition geistlicher Musik auf den Kanarischen Inseln.
Im Mittelpunkt dieser Aufnahme steht der Villancico, eine ursprünglich volkstümliche Liedform, die sich zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert zu einer der wichtigsten musikalischen Gattungen des iberischen Barock entwickelte. In der Kathedrale von Las Palmas erlebte der Villancico eine besondere Blüte: Er verband religiöse Inhalte mit regionalen, sprachlichen und kulturellen Einflüssen und nahm dabei auch Elemente afrikanischer und amerikanischer Musiktraditionen auf – ein Spiegel der globalen Verflechtungen der Inseln.
Die hier eingespielten Werke stammen von drei Kapellmeistern der Kathedrale: Francisco Hernández, Diego Durón und Joaquín García. Während Hernández zu den frühesten, nur fragmentarisch fassbaren Persönlichkeiten zählt, prägte Durón über mehr als fünf Jahrzehnte das Musikleben der Kathedrale mit einer Fülle farbenreicher Villancicos. García führte diese Tradition im 18. Jahrhundert weiter und öffnete sie zugleich für italienische Einflüsse, neue Instrumente und moderne Formen wie Rezitativ und Arie.
Ergänzt wird das Vokalrepertoire durch Orgelmusik des spanischen 17. Jahrhunderts, vertreten durch Werke von Sebastián Aguilera de Heredia und Pablo Bruna, zwei zentralen Figuren der aragonesischen Orgelschule. Ihre Musik steht für die hohe kunsthandwerkliche und expressive Qualität der iberischen Tastenmusik jener Zeit.
The Capilla del Real de Las Palmas widmet sich seit seiner Gründung der Wiederentdeckung und lebendigen Vermittlung dieses musikalischen Erbes. Mit historischer Aufführungspraxis, wissenschaftlicher Neugier und klanglicher Präsenz lässt das Ensemble die Musik der Kathedrale Santa Ana erneut erklingen – als Teil einer vielschichtigen Kulturgeschichte zwischen Europa, Afrika und der Neuen Welt.


