Études op. 10, op. 25 & Trois nouvelles études
Poetische Titel von Olga Chelova
Mit ihrem neuen Album „Reflections on Chopin“ verwirklicht die in Odessa geborene Pianistin Olga Chelova einen Lebenstraum: die 27 Etüden von Frédéric Chopin – op. 10, op. 25 und die drei Etüden ohne Opuszahl – als großen, geschlossenen Zyklus zu begreifen und aufzunehmen.
Bereits als Kind an der legendären Stoljarsky-Schule begegnete sie diesen Werken nicht als bloßen Studien, sondern als lebendigen Stimmen. Über Jahre reifte in ihr die Vision, sie als „Modell des Universums“ zu deuten: 24 Etüden wie 24 Stunden eines Tages – Geburt und Abschied, Licht und Dunkel, Spiel und Ernst. In Chelovas Lesart sind sie durch unsichtbare harmonische und geistige Fäden verbunden. Selbst die Stille zwischen den Stücken wird Teil der Erzählung.
In einem tiefen Dialog mit Johann Sebastian Bach – dessen „Wohltemperiertes Klavier“ für Chopin lebenslanges Bezugswerk war – entfalten die Etüden eine universelle Perspektive: Sie sind Miniaturen von technischer Brillanz und zugleich existenzielle Meditationen über Zeit, Schicksal und Vergänglichkeit. Inspiriert auch von der poetischen Deutung des Literaturnobelpreisträgers Boris Pasternak, versteht Chelova diese Werke als klingende Forschungen über das menschliche Leben.
Jeder Etüde hat sie einen poetischen Titel gegeben – als Einladung an die Hörenden, Mitschöpfer zu werden. Von visionärer „Botschaft“ über tragische Aufschreie bis zur transzendenten Stille der drei späten Etüden entfaltet sich ein dramaturgisch gestalteter Kosmos, aufgenommen auf einem Steinway D-Flügel.
Olga Chelova vereint technische Souveränität mit metaphysischer Tiefe. Früh ausgezeichnet, international konzertierend und 2022 für ihr Debütalbum dreifach für den Opus Klassik nominiert, gilt sie als Künstlerin von außergewöhnlicher Reife. Als Steinway Artist, Kammermusikerin, Komponistin und Gründerin des Mörfelder Musikfestivals steht sie für eine humanistische Kunstauffassung, die Virtuosität in Ausdruck verwandelt.
„Reflections on Chopin“ ist mehr als eine Einspielung – es ist die Essenz eines künstlerischen Weges, eine Hommage an Chopins geistiges Vermächtnis und ein leidenschaftliches Bekenntnis zur Musik als Spiegel des Lebens.
Programm
Frédéric Chopin (1810–1849)
Poetische Titel von Olga Chelova
Études op. 10
Nr. 1 C-Dur ‘Botschaft’
Nr. 2 a-Moll ‘Zweigbruch’
Nr. 3 E-Dur ‘Heimatliebe’
Nr. 4 cis-Moll ‘Herzglut’
Nr. 5 Ges-Dur ‘Die Sonne erhaschen – Kinder spielen’
Nr. 6 es-Moll ‘Verloren im Labyrinth’
Nr. 7 C-Dur ‘Sanfte Grüße aus Spanien – Flamenco’
Nr. 8 F-Dur ‘Federball – Sonnenfunken’
Nr. 9 f-Mol ‘Eine Tragödie’
Nr. 10 As-Dur ‘Facettenreiche Melodie’
Nr. 11 Es-Dur ‘Die Harfe des Himmels’
Nr. 12 c-Moll ‘Warschau in Flammen – Grande Étude Pathétique’
Études op. 25
Nr. 1 As-Dur ‘Regenbogen – Garten Eden’
Nr. 2 f-Moll ‘Eiswind’
Nr. 3 F-Dur ‘Jugend – Wir spielen Fangen
Nr. 4 a-Moll ‘Die Flucht – Verfolgungsjagd – Ausbruch’
Nr. 5 e-Moll ‘Der sanfte Spott – Liebeserklärung – Unsanfter Spott’
Nr. 6 gis-Moll ‘Die triste Winterfahrt’
Nr. 7 cis-Moll ‘Abschied für immer – Tragische Offenbarung’
Nr. 8 Des-Dur ‘Schmetterlingswalzer’
Nr. 9 Ges-Dur ‘Auf dem Trampolin’
Nr. 10 h-Moll ‘Schneesturm’
Nr. 11 a-Moll ‘Wirbelsturm’
Nr. 12 c-Moll ‘Ergreifende Bitterkeit – Der edle Zorn’
Trois nouvelles études
Nr. 1 f-Moll ‘Die Sehnsucht’
Nr. 2 As-Dur ‘Zarte Liebelei’
Nr. 3 Des-Dur ‘Stille – Was hört man in der Stille?’
Gesamtzeit: 70:19
Olga Chelova Klavier
Biografie
Olga Chelova, geboren in Odessa, vereint in ihrem Spiel technische Brillanz, Tiefe und poetische Vorstellungskraft. Bereits im Alter von vier Jahren begann sie mit dem Klavierspiel. Ihre Ausbildung erhielt sie an der legendären Stoljarsky-Schule in Odessa, aus der weltberühmte Musiker wie Emil Gilels und David Oistrach hervorgingen. Siebzehnjährig absolvierte sie die Schule mit Auszeichnung und spielte im Abschlusskonzert das 2. Klavierkonzert von Johannes Brahms – ein Ereignis, welches den Beginn ihrer internationalen Karriere markierte. Nach Studien an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover sowie an der Universität Mozarteum Salzburg fand sie in Professor Grigory Gruzman an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar) ihren entscheidenden Mentor.
Bei mehr als zwanzig internationalen Wettbewerben in Deutschland, Italien, Frankreich, Litauen und der Ukraine war Chelova Preisträgerin. Sie arbeitete mit Dirigenten wie Tadas Šileika (Finale des Internationalen Wettbewerbs Druskininkai – Grand Prix für das phänomenale Spiel von Chopins Klavierkonzert Nr. 1 e-Moll) und Philippe Entremont, der über sie sagte: »Olga – without any doubt – is a great talent« (Olga ist ohne Zweifel ein großes Talent). Ihre Konzerttätigkeit führte sie in renommierte Säle Europas, darunter die Alte Oper Frankfurt, das Große Festspielhaus in Salzburg, die Tonhalle Zürich, die Liederhalle in Stuttgart und das Auditorium Parco della Musica in Rom. Sie gastierte bei internationalen Festivals in Deutschland, Italien, Frankreich und der Schweiz.
Ihr Debütalbum wurde 2022 in drei Kategorien für den Opus Klassik nominiert – eine Anerkennung ihrer künstlerischen Eigenständigkeit. Kritiken loben ihre »außergewöhnliche Reife, innere Glut und metaphysische Poesie« (Musique Classique) sowie ihre »geistige Klarheit und makellose Virtuosität« (DIE TONKUNST).
Olga Chelova ist auch kammermusikalisch sehr aktiv. Seit 2024 tritt sie regelmäßig gemeinsam mit ihrem Lehrer Professor Grigory Gruzman als Duo auf. Sie wurden von der Frankfurter Presse hochgelobt und begeistern das Publikum in ganz Europa mit einem Zusammenspiel, das von inniger Nähe, spürbarer Vertrautheit und einer beinahe magischen Seelenverwandtschaft geprägt ist.
Chelova ist Gründerin und künstlerische Leiterin des Mörfelder Musikfestivals, das sie als Plattform für junge Künstlerinnen und Künstler aufgebaut hat. Das Festival hat sich als lebendiger und unverzichtbarer Bestandteil des kulturellen Lebens in der Doppelstadt Mörfelden-Walldorf und weit darüber hinaus im Rhein-Main-Gebiet etabliert. Seit zwei Jahren spendet Olga Chelova bei diesem Festival ihre Honorare an Kinderhospize – als Ausdruck gelebter Mitmenschlichkeit.
Neben ihrer pianistischen Tätigkeit ist Olga Chelova auch als Komponistin erfolgreich. Ihre minimalistische Oper und eine Kantate zum Thema Mobbing fanden große Resonanz. Musik ist für sie Ausdruck einer humanistischen Haltung – tief, klar und von innerer Wahrhaftigkeit getragen.
Seit 2022 ist Olga Chelova Steinway Artist. Für NDR Kultur, OFTV und Radio X entstanden Ton- und Filmaufnahmen ihrer Klavierspielkunst. Mit dem vorliegenden Album, aufgenommen auf einem Steinway D-Flügel, erfüllt sich Chelova einen Kindheitstraum. Aufgewachsen nahe dem Schwarzen Meer, wünschte sie sich schon früh, alle 27 Etüden von Frédéric Chopin als Zyklus zu spielen – als »Modell des Universums«.
Infos
Katalognummer: NEOS 32605
EAN: 4260063326059